02.10.2006

Gespenstische Gemeinschaften

In der heutigen NZZ (http://www.nzz.ch/2006/10/02/fe/articleEFWHV.print.html) finden sich ein paar Ueberlegungen eines Philosophen zum Handy-Kult, die meine Skepsis dem Phänomen gegenüber nähren (natürlich). Quintessenz:
"Haftet telefonischer Kommunikation, wenn sie zum bevorzugten Medium der Gemeinschaftsbildung wird, nicht etwas Gespenstisches an? Die Anwesenden sind abwesend, die Abwesenden anwesend. - Sind das überhaupt «echte» Gemeinschaften? Auch telegrafische und telefotografische Grosskommunen, die sich im Internet zusammenfinden («MyPlace» oder «MySpace» etwa), liessen sich ohne weiteres als Ausprägungen eines medientechnischen Tribalismus begreifen, der gespensterhafte Scheinnähe erzeugt.
Heisst dies, am Ende gebe es weder Gesellschaft noch Gemeinschaft mehr, sondern nur Ansammlungen hypnotisierter Vereinzelter, die in virtualisierten Räumen voller Sehnsucht darauf warten, angerufen, abberufen, herausgerufen - gerettet zu werden? Bis sich zeigt, ob ein solches Ende naht, mag, weniger spekulativ, diese Einsicht genügen: Die mobiltelefonische Abwesenheit der Anwesenden zeugt von allseits gespaltener Aufmerksamkeit, von aufgeregter Unkonzentriertheit und allgemeiner Zerstreuung - von der Wirklichkeit der Mediengesellschaft also."

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