22.02.2009

Die "Böckenförde-These" im schulischen Bereich

Zuerst die These:

Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das grosse Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt, mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren versuchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und - auf säkularisierter Ebene - in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“ „Staat, Gesellschaft, Freiheit“ 1976 (S. 60)

Umgelegt auf den schulischen Bereich bedeutet das in trivialer Form, dass die Schule auf Menschen angewiesen ist, die ihr zugetan sind. Die aus Interesse kommen, motiviert sind, gutwillig am Unterrichtsgeschehen partizipieren, bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Verordnen lassen sich solche Tugenden nicht.
Vielleicht liegt da eine der grundlegenden Schwierigkeiten der schulischen Ausbildung? Und erst recht der Bildung?

In diesem Zusammenhang: Ausserordentlich anregend, weil quer denkend:
Graf, M.A. & Graf, E.O. (2008): Schulreform als Wiederholungszwang. Zur Analyse der Bildunsginstitution. Zürich: Seismo-Verlag
(Da wird z.B. von "Enteignung" durch Schule gesprochen: von individueller Geschichte und Zukunft, von Interesse!)

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