20.06.2009

Individualisierender Unterricht gefragt

Laut einer neuen Studie der Zürcher Fachstelle für Schulbeurteilungen ist die individuelle Föderung an der Zürcher Volksschule "schwach entwickelt".
Einige Kernaussagen:
«In den meisten der beobachteten Lektionen richtete sich der Unterricht an eine als homogen gedachte Schülerschaft und wurde wenig an die unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder und Jugendlichen angepasst.»
«Der Stellenwert der Förderung schneller Schülerinnen und Schüler wird durchwegs relativ tief eingeschätzt.»
"Einer Mehrheit der Lehrer ist ein fairer Klassenschnitt wichtiger als die Messung konkreter Lernziele, wenn sie Noten geben."

Aus dem Kommentar der Zeitung (Daniel Schneebeli):
"Darum ist eines vordringlich: Die Lehrpersonen müssen umdenken. Das Dozieren vor der ganzen Klasse und stets die gleichen Aufgaben für alle dürfen nicht die Regel bleiben. Wer den individualisierenden Unterrichtsstil nicht beherrscht, sollte ihn lernen, und wer ihn nicht lernen will, der sollte sich besser einen anderen Job suchen."

Ein klares Verdikt, eine überfällige Studie, ein - für mich - erwarteter Befund. 1990 bereits haben Urs Ruf und Peter Gallin, damals Fachdidaktiker am Höheren Lehramt Mittelschule der Uni ZH, auf diesen Mangel hingewiesen (in ihrem ausgezeichneten Buch Sprache und Mathematik in der Schule) und eine neue Unterrichtsmethodik entwickelt: Das dialogische Lernen. Seit 1998 versucht Urs Ruf, inzwischen Professor für Allgemeine Didaktik an der Uni ZH, diesen methodischen Ansatz wissenschaftlich weiter zu untermauern und ihn in der Unterrichtspraxis aller Schulstufen zu implementieren - mit mässigem Erfolg nach wie vor, obwohl die neuen Medien sich als phantastische weitere Tools dafür nutzen liessen.
Natürlich verlangt individualisierendes Unterrichten sehr viel didaktische und methodische Kompetenz von den Lehrpersonen; da liegt m.E. jedoch nicht das Problem. Sondern eher im Rollenverständnis, das sich dramatisch verändern müsste: "From the sage on the stage to the coach on the side." Der Schritt vom Unterrichtenden zum Lernbegleiter ist sehr schwierig, hängt er doch ganz wesentlich mit der Persönlichkeitsstruktur der Lehrperson zusammen.

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