15.06.2009

Konzentrieren wird schwierig

Noch ein Artikel aus der SonntagsZeitung, Titel: US-Teens texten sich krank.
Das Wesentliche:
"Beim Texten haben Heranwachsende in Amerika ihren Rückstand auf Europa aufgeholt. Angespornt durch unbegrenzte Flatrate-Tarife haben US-Teenager im vierten Quartal 2008 im Monatsdurchschnitt 2272 Textmitteilungen versandt. Die vom Marktforschungsinstitut Nielsen ermittelte Zahl entspricht beinahe 80 täglichen SMS und ist mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr.
(...)
Greg Hardesty, ein Reporter in Lake Forest, Kalifornien, bemerkte Ende letzten Jahres, dass seine Tochter Reina in einem Monat 14 528 SMS-Botschaften angehäuft hatte. Sie liess das Handy nachts eingeschaltet, stellte es auf Vibrieren und wartete, bis das Lämpchen den Eingang einer Textbotschaft anzeigte. Als ihre Noten ins Bodenlose stürzten, konfiszierten die Eltern das Handy. Seitdem sind die Noten besser geworden, und Reina hat ihr Mobiltelefon zurück. Aber sie darf nicht mehr als 5000 SMS pro Monat verschicken, und während der Woche darf sie zwischen 21 und 6 Uhr keine Botschaften austauschen."

Macht das Eltern und Lehrpersonen Angst? Müsste irgendwer irgendwie intervenieren? Fakt ist: Flatrates machen die Handy-Kommunikation nur noch attraktiver, und ob die Suchtkliniken für Handy-Abhängige eingerichtet sind, weiss ich nicht.
Offensichtlich gibt es einen neuen Zusammenhang à la Erich Fromm zwischen Sein und Simsen - oder à la Descartes gesagt: Je reçois un texto, donc je suis. Wer als Handy besitzender (junger) Mensch kein SMS erhält, ist offenbar gesellschaftlich scheintot.

Vielleicht ist es einfach so, dass Menschen - weil das Bedürfnis sich auszudrücken zur conditio humana gehört - jetzt, wo sie die adäquaten Möglichkeiten dazu haben, es tun? Zwar auf Kosten der Konzentration, der Daumen, der Schulleistungen, aber vielleicht mit einem Zugewinn an Selbstbewusstsein und Selbstbestätigung? Oder müsste man das Phänomen als Schrei werten, als Schrei nach Aufmerksamkeit: Hallo, Leute, es gibt mich?
Wo bist du, (Adam)? Ich bin da!

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