23.07.2009

Anfang

Wenn man weiss, dass das Gehirn 6 Tausendstelsekunden braucht, um zu entscheiden, ob der dazugehörige Mensch sich verlieben soll oder nicht, wird definitiv klar, wie wichtig der Anfang von etwas ist. Siehe auch weiter unten. Und sei es "nur" der Anfang einer Lektion, einer Lerneinheit! Modell: Liebe auf den ersten Blick...

16.07.2009

Harald Welzer

Sommer - Ferienzeit. Gelegenheit, um etwas abzuschweifen oder auszugreifen und ennet des Zauns zu grasen. Zum Beispiel bei der Lektüre von Interviews des Sozialpsychologen Harald Welzer. Im neuesten DU (798) ist eines zu lesen, das fast schon erschütternd klug ist (Titel: Die Wirtschaftskrise ist das Beste, was dem Klima passieren konnte). Etwas Recherche führt zu einem anderen, das im Spiegel vom 29.12.08 zu lesen war; Titel: Blindflug durch die Welt - Die Finanzkrise als Epochenwandel. Auszug:
"(...) Ein Übermaß an Problemen bei gleichzeitig fehlenden Lösungsmöglichkeiten führt zu dem, was die Psychologie kognitive Dissonanz nennt. Sie kann nur reduziert werden, wenn man statt der Probleme die Einstellung zu ihnen bearbeitet. Also: Die Regierung hat die Finanzkrise ja wohl im Griff, für die Energieprobleme wird es schon Lösungen geben, das mit dem Klima kann ja so schlimm nicht kommen. Oder nach Groucho Marx: Was kümmert mich die Nachwelt, hat die Nachwelt sich je um mich gekümmert? (...)
Das alles kann man wissen, und aus diesem Wissen ergibt sich die zwingende Notwendigkeit nicht von Korrekturen, sondern eines grundlegenden Richtungswechsels, heraus aus der Sackgasse. Allerdings stellt ein Ziel wie Generationengerechtigkeit kurzfristige Wachstumskalküle genauso in Frage wie die Vorstellung, Glück leite sich aus pausenloser Mobilität und 24-stündiger Beleuchtung des gesamten Planeten her. Und Arbeitsplätze ließen sich gegen Überlebensmöglichkeiten verrechnen. Und Sinn erschöpfe sich in Konsumanreizen.
Gerade in der Krise zeigt sich, wie fatal es sich auswirkt, wenn ein politisches Gemeinwesen keiner Idee folgt, was es eigentlich sein will. Gesellschaften, die die Erfüllung von Sinnbedürfnissen ausschließlich über Konsum befriedigen, haben in dem Augenblick, in dem mit einer funktionierenden Wirtschaft auch die Möglichkeit wegbricht, Identität, Sinn und Glücksgefühle zu kaufen, kein Netz, das ihren Fall aufhalten würde.
Genau an dieser Stelle liegt er, der kulturelle "tipping point", und genau deshalb wird man nichts lösen können, wenn man sich die Frage nicht zumutet, wie man denn eigentlich in 10, 15, 20 Jahren leben möchte und was man dafür zu tun bereit wäre. Der Umbau einer Kultur, die von der irrigen Annahme ausgeht, man könne weitermachen wie bisher, ist freilich eine Aufgabe, die nur ein politisches Gemeinwesen lösen kann, das sich als solches versteht. Da trifft es sich, dass die Experten im Augenblick keinen Plan haben. Vielleicht markiert ihr Blindflug ja den Beginn einer Renaissance des Politischen."

Vor einem halben Jahr war das.
Heute steht im Du zu lesen:
"Es werden zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge in marode Banken und Unternehmen gesteckt. Dabei wird gleichzeitig deutlich, wie wenig Geld im Vergleich dazu seit Jahren in die Klimaforschung und die Bekämpfung des Hungers gesteckt worden ist."

Zur Abwrackprämie der Autohersteller:
"Das Wegwerfen zu prämieren finde ich als Haltung in Zeiten der Klimakrise eine politische Bankrotterklärung."

Voll einverstanden!
Also: Sonnenenergie-Module auf mein Dach!
Und gespannt sein auf das kommende Buch Welzers: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten (Fischer; September 2009).
Bis dahin kann man ja die anderen lesen!

11.07.2009

Wissensmanagement

Wunderbar!
Die von mir hoch geschätzte Prof. Gabi Reinmann (siehe ihren Blog nebenstehend) stellt ihren Studientext Wissensmanagement ins Netz und macht ihn somit öffentlich zugänglich - auch für uns! Hier ist er: http://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2009/07/WM_Studientext09.pdf

09.07.2009

BANG-design und "23andMe"

BANG-Design
Der Medienphilosoph Norbert Bolz hat den Begriff 2006 geprägt und ein gleichnamiges Buch zu diesem Phänomen veröffentlicht. In einem Interview erklärt er den Term so:
"Bang ist Akronym, also ein Kunstwort, das sich aus den Anfangsbuchstaben der elementaren Grundbausteine, die unsere Welt gestalten, zusammensetzt: B steht dabei für Bit, A für Atome, N für Neuronen und G für Gen. Es beschreibt ein Design, das durch seinen Nanomaßstab in die unterschiedlichsten Lebensbereiche vordringt. Wir sind technisch zum ersten Mal in der Lage die Grundbausteine, aus denen unsere Welt gemacht ist, wie ein Legosystem zu verändern und zu optimieren." (Nano = 10 hoch minus 9 m)

Weiteres dazu hier.

23andMe
ist ein Projekt, gesponsert von Google: Da kann man für US$ 399 das eigene Genom analysieren lassen (Website hier). Problemlos. Nach drei Wochen hat man das Resultat.

Beides zusammen ermöglicht den perfekten Menschen, natürlich. Der Mensch wird sein eigener Schöpfer, natürlich.
Im didaktischen Zusammenhang jedoch stellt sich einmal mehr die Frage, was man denn in den Schulen lernen soll angesichts solcher Fort-Schritte und warum Ethik nach wie vor ein Randdasein fristet im Bildungsbereich (erst recht an den naturwissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen).
Oder ist es für solche Fragen bereits zu spät?

Die Kulturzeitschrift DU widmet sich in der Juli/August-Nummer der Thematik Natur - Kultur: Lesen!

07.07.2009

Lernen und Glück


Notizen aus Spitzer/Bertram, Braintertainment, Suhrkamp 2007:
Geschieht etwas Besseres, als das Hirn es erwartet hat, feuern die Neuronen der Area A10. Sie schütten a) Dopamin ins Frontalhirn aus (--> dieses funktioniert besser) und regen b) den Nucleus accumbens an, Endorphine zu produzieren und ins Frontalhirn zu leiten (--> es macht Spass!). - Insgesamt wird also besser gelernt!
Folgerung: Positiv überraschend sein. Die Erwartungshaltung der Schüler wie "Lustlosigkeit" oder "Scheiss Schule" etc unterlaufen. Gute Stimmung erzeugen. Die Area A10 in Schwung bringen!

Peak-End-Regel:
"Dieser Effekt beschreibt ein Phänomen , das in unserem Gehirn auftritt. Unser Gedächtnis funktioniert demnach so, dass wir uns an emotionale Höhen (bzw. Tiefen) eines Ereignisses sowie an das Ende eines Ereignisses am besten erinnern können. Was zwischen diesen beiden Eckpfeilern liegt, ist in unserer Erinnerung oft nur schemenhaft vorhanden." - Beispiel: Der "Abgang" beim Wein. Der Kuss am Ende des Films.
Folgerung: Die Lektionen mit etwas Positivem aufhören - Probearbeiten nicht am Ende der Stunde zurückgeben!

Weitere Cognitive Biases: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_cognitive_biases

02.07.2009

Die Sorgen heutiger Jugendlicher in der CH

Eine Studie der FHNW hat ergeben:
"Rund 52 Prozent der Befragten nannten den Leistungsdruck in der Ausbildung und nervenaufreibende Prüfungen als Hauptsorge.
Über ein Viertel der Jugendlichen beschäftigen auch Beziehungsprobleme, Geldmangel und Familiäres. Aber auch die Frage nach dem Lebenssinn, Niedergeschlagenheit, Langeweile, Konflikte unter Freunden sowie Leistungsdruck am Arbeitsplatz belasten viele.
Gemäss Umfrage wird aber auch deutlich, dass Gewalt, gesellschaftliche Probleme wie Ausländerfragen oder die Wirtschaftslage Jugendliche weniger beschäftigen als ihre persönlichen Herausforderungen. Bei Sorgen werden laut Mitteilung am meisten Freunde und Eltern, Partner und Geschwister angegangen."

Hat man denn anderes erwartet?

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