25.02.2009

Funktionen des Bildungssystems (nach Graf&Graf)

  • Reproduktion
  • Legitimation
  • Integration
  • Allokation (Zuordnung von beschränkten Ressourcen zu potentiellen Verwendern)
  • Selektion
  • Qualifikation
Föderung von Begabung einerseits bedeutet Minderung der Chancen anderer anderseits.

Schule/Bildung bedeutet: Wandel ermöglichen, zulassen - aber auch kontrollieren.

Zum schulischen Elend

Graf&Graf analysieren scharfsinnig und profund (siehe 22.2.09).
Sie zeigen Gründe für die Demotivierung der Akteure im Schulbereich (Burnout der Lehrkräfte, Gewaltexzesse von Schülern z.B.) und die Verheerungen kognitiver Konkurrenz, wenn sie auf einem Level geschehen muss, der den möglichen Leistungen nicht adäquat ist --> Apathie, Resignation, innere Demission etc.
Sie lieferen weitere Gründe systemischer Art, welche nachvollziehbar machen, warum Unterricht im engeren und Schule im weiteren Sinn nur selten gelingen kann. Ernst Eggimanns Diktum von den Kindern, die zu Schülern werden - und der Welt, welche in der Schule sich in Stoff transformiert überzeugt auch aus neuester wissenschaftlicher Sicht.

22.02.2009

Die "Böckenförde-These" im schulischen Bereich

Zuerst die These:

Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das grosse Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt, mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren versuchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und - auf säkularisierter Ebene - in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“ „Staat, Gesellschaft, Freiheit“ 1976 (S. 60)

Umgelegt auf den schulischen Bereich bedeutet das in trivialer Form, dass die Schule auf Menschen angewiesen ist, die ihr zugetan sind. Die aus Interesse kommen, motiviert sind, gutwillig am Unterrichtsgeschehen partizipieren, bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Verordnen lassen sich solche Tugenden nicht.
Vielleicht liegt da eine der grundlegenden Schwierigkeiten der schulischen Ausbildung? Und erst recht der Bildung?

In diesem Zusammenhang: Ausserordentlich anregend, weil quer denkend:
Graf, M.A. & Graf, E.O. (2008): Schulreform als Wiederholungszwang. Zur Analyse der Bildunsginstitution. Zürich: Seismo-Verlag
(Da wird z.B. von "Enteignung" durch Schule gesprochen: von individueller Geschichte und Zukunft, von Interesse!)