28.06.2009

Lerpersonen als Gärtner?

Ein wundervolles Interview in der NZZ von gestern mit dem amerikanischen Literaturwissenschafter Robert Harrison über sein neuestes Buch "Gardens"; ein Auszug:
"Wir sitzen hier auf dem Campus. In Ihrem Buch betonen Sie besonders die Analogie von Bildung und Gärtnern.
Es ist ja kein Zufall, dass dieser Campus wie ein Garten angelegt ist. Schliesslich ist es noch nicht lange her, dass die Universitäten in die Städte verlagert wurden. In meinem Buch spreche ich über die Anfänge der Institutionen höherer Bildung, Platos Akademie, Epikurs Gartenschule, die mittelalterlichen Universitäten, die alle wie Gärten angelegt waren. Auch Lehren ist eine kultivierende Tätigkeit. Es benötigt dasselbe Engagement, dieselbe Pflege und Aufmerksamkeit für den Wachstumsprozess und die gleiche Fähigkeit, vorhandenes Potenzial hervorzulocken und sich entwickeln zu lassen, wie die Anlage eines Gartens. Das lateinische Wort «seminarium» bedeutet Pflanzstätte.
Was ist die wichtigste Tugend beim Gärtnern? Geduld, Fleiss oder Phantasie?
Schwer zu sagen. Geduld ist sicher eine starke Kandidatin, ohne Geduld kann aus einem Garten nichts werden. Aber sie reicht natürlich nicht aus. Ich würde sagen: Einsatz, Hingabe, Engagement."

Auch alle weiteren Aussagen lohnen die Lektüre -nicht nur des Interviews!

25.06.2009

Spiegelneurone

"Ob wir Handlungen bei anderen beobachten - oder sie selbst ausführen: Für Spiegelneurone ist das offenbar ein und dasselbe. Diese eigenwilligen Nervenzellen sind ein beliebtes Studienobjekt von Neurowissenschaftlern, seit italienische Forscher sie vor rund zehn Jahren im Gehirn von Affen entdeckten. Das Besondere an Spiegelneuronen: Sie scheinen für das innere Imitieren fremder Aktionen zuständig zu sein. Möglicherweise bildet diese Fähigkeit sogar das Fundament von Mitgefühl, Sprache und Denken. Denn wie aktuelle Studien mittels bildgebender Verfahren zeigen, erzeugt das bloße Beobachten der Handlungen anderer in verschiedenen Hirnarealen von Homo sapiens eine neuronale Resonanz. Genau dies könnte helfen, die Absichten anderer intuitiv nachzuvollziehen."
(http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/859922&_z=798884)
Eine weitere geniale Erfindung des Weltgeistes! Daraus ableitbar: Zuschauen, wie es der Meister macht, bringt einen bedeutsamen Lerngewinn!

23.06.2009

Mediennutzung 2009

Gemäss einer Studie der Buchhandelsverbände von D, Oe und der CH ergibt sich folgendes Bild der Mediennutzung:


Die Deutschschweizer/innen sind demnach Spitzenreiter im Radiohören, lesen täglich eine Drieviertelstunde Zeitung und verbringen zwei Stunden vor der Glotze.
Leider sagt die Studie nicht, wer genau befragt wurde; sie redet von "Personen": Verteilung nach Alter? nach Geschlecht? nach Stadt/Land? nach sozialer Herkunft? nach Beruf?

Interessant auch die Verteilung nach Buchgattungen:


Die Erwartung, dass Liebesromane am beliebtesten sind, wird klar widerlegt; Krimis liegen mit Abstand vorne.
Sollen Schulen diese Dynamik unterstützen (weniger Buch, mehr Internet und TV)? Oder Gegensteuer geben (mehr Buch, weniger Internet und TV)? Die Antworten werden je nach Sichtweise verschieden ausfallen: Moderne Didaktik setzt auf ICT-Tools, Manfred Spitzer warnt vor dem Fernsehen (zB. in seiner Studie "Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft"; als Live-Vortrag hier zu erleben: SEHR lohnend! Schauen Sie sich das an! Auch hier zu sehen.). - Falls Sie unterrichten oder erziehen: Wie würden Sie antworten?

21.06.2009

Das künstliche Gehirn

Ein Interview mit Kevin Warwick macht klar, dass die Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz bereits daran arbeitet.
"Erklären Sie uns diese Technologie.
Das Kernelement ist eine Elektrodenplatte. Wir spritzen Ratten-Neuronen darauf. Hält man diese bei einer Temperatur von genau 37 Grad Celsius und versorgt man sie regelmässig mit Nährstoffen, beginnen sich zwischen den Neuronen Verbindungen zu entwickeln. Meine Kollegen aus der Biologie bestätigen mir, dass unsere Zuchthirne alle Voraussetzungen erfüllen, um als Lebewesen bezeichnet zu werden. Sie benötigen Nahrung, scheiden diese auch aus, sie sind lernfähig, und sie sterben!
Wie statten Sie diese Gehirne mit einem Körper aus?
Ich baue keine Monster wie Frankenstein. Das Gehirn ist losgelöst vom Körper. Wir haben ein kleines Gefährt mit Rädern, einem Motor und Sensoren entwickelt. Die Sensoren melden via Ultraschall dem Gehirn, wann ein Objekt oder eine Wand im Weg steht. Dieses entscheidet dann, in welche Richtung es ausweichen soll, und übermittelt die Entscheidung mit elektronischen Impulsen via Bluetooth. Als Nächstes arbeiten wir an einem Audio-Input, um den Roboter mit Befehlen wie links und rechts leiten zu können.
(...)
Sie wollen im selben Verfahren mit menschlichen Neuronen experimentieren?
Natürlich werde ich Menschenhirn in Roboter einbauen. Diese Mini-Hirne sind nichts anderes als mikroskopische Aufnahmen einzelner Gehirnteile. Wir können damit zu verstehen beginnen, was Erinnerungen sind. Alzheimer-Forscher versprechen sich viel davon. (...)
Und um gegen intelligente Maschinen gewappnet zu sein, behaupten Sie, muss der Mensch selber zur halben Maschine werden.
Könnte ich mich heute mit einem Chip permanent mit dem Internet verbinden, wäre ich als Forscher viel leistungsfähiger. Ich sehe das natürlich aus der Sicht eines Wissenschaftlers. Ich wäre gerne der erste Mensch, der sich permanent mit dem Netz verbinden kann."

Würde das gelingen - vermutlich wird es gelingen -, stellt sich die Frage nach dem Lernen, dem Bildungssystem neu: Braucht es noch Schulen, wenn ich permanent mit dem Weltwissen verbunden und vernetzt (und verstrickt?) bin?

20.06.2009

Individualisierender Unterricht gefragt

Laut einer neuen Studie der Zürcher Fachstelle für Schulbeurteilungen ist die individuelle Föderung an der Zürcher Volksschule "schwach entwickelt".
Einige Kernaussagen:
«In den meisten der beobachteten Lektionen richtete sich der Unterricht an eine als homogen gedachte Schülerschaft und wurde wenig an die unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder und Jugendlichen angepasst.»
«Der Stellenwert der Förderung schneller Schülerinnen und Schüler wird durchwegs relativ tief eingeschätzt.»
"Einer Mehrheit der Lehrer ist ein fairer Klassenschnitt wichtiger als die Messung konkreter Lernziele, wenn sie Noten geben."

Aus dem Kommentar der Zeitung (Daniel Schneebeli):
"Darum ist eines vordringlich: Die Lehrpersonen müssen umdenken. Das Dozieren vor der ganzen Klasse und stets die gleichen Aufgaben für alle dürfen nicht die Regel bleiben. Wer den individualisierenden Unterrichtsstil nicht beherrscht, sollte ihn lernen, und wer ihn nicht lernen will, der sollte sich besser einen anderen Job suchen."

Ein klares Verdikt, eine überfällige Studie, ein - für mich - erwarteter Befund. 1990 bereits haben Urs Ruf und Peter Gallin, damals Fachdidaktiker am Höheren Lehramt Mittelschule der Uni ZH, auf diesen Mangel hingewiesen (in ihrem ausgezeichneten Buch Sprache und Mathematik in der Schule) und eine neue Unterrichtsmethodik entwickelt: Das dialogische Lernen. Seit 1998 versucht Urs Ruf, inzwischen Professor für Allgemeine Didaktik an der Uni ZH, diesen methodischen Ansatz wissenschaftlich weiter zu untermauern und ihn in der Unterrichtspraxis aller Schulstufen zu implementieren - mit mässigem Erfolg nach wie vor, obwohl die neuen Medien sich als phantastische weitere Tools dafür nutzen liessen.
Natürlich verlangt individualisierendes Unterrichten sehr viel didaktische und methodische Kompetenz von den Lehrpersonen; da liegt m.E. jedoch nicht das Problem. Sondern eher im Rollenverständnis, das sich dramatisch verändern müsste: "From the sage on the stage to the coach on the side." Der Schritt vom Unterrichtenden zum Lernbegleiter ist sehr schwierig, hängt er doch ganz wesentlich mit der Persönlichkeitsstruktur der Lehrperson zusammen.

15.06.2009

Konzentrieren wird schwierig

Noch ein Artikel aus der SonntagsZeitung, Titel: US-Teens texten sich krank.
Das Wesentliche:
"Beim Texten haben Heranwachsende in Amerika ihren Rückstand auf Europa aufgeholt. Angespornt durch unbegrenzte Flatrate-Tarife haben US-Teenager im vierten Quartal 2008 im Monatsdurchschnitt 2272 Textmitteilungen versandt. Die vom Marktforschungsinstitut Nielsen ermittelte Zahl entspricht beinahe 80 täglichen SMS und ist mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr.
(...)
Greg Hardesty, ein Reporter in Lake Forest, Kalifornien, bemerkte Ende letzten Jahres, dass seine Tochter Reina in einem Monat 14 528 SMS-Botschaften angehäuft hatte. Sie liess das Handy nachts eingeschaltet, stellte es auf Vibrieren und wartete, bis das Lämpchen den Eingang einer Textbotschaft anzeigte. Als ihre Noten ins Bodenlose stürzten, konfiszierten die Eltern das Handy. Seitdem sind die Noten besser geworden, und Reina hat ihr Mobiltelefon zurück. Aber sie darf nicht mehr als 5000 SMS pro Monat verschicken, und während der Woche darf sie zwischen 21 und 6 Uhr keine Botschaften austauschen."

Macht das Eltern und Lehrpersonen Angst? Müsste irgendwer irgendwie intervenieren? Fakt ist: Flatrates machen die Handy-Kommunikation nur noch attraktiver, und ob die Suchtkliniken für Handy-Abhängige eingerichtet sind, weiss ich nicht.
Offensichtlich gibt es einen neuen Zusammenhang à la Erich Fromm zwischen Sein und Simsen - oder à la Descartes gesagt: Je reçois un texto, donc je suis. Wer als Handy besitzender (junger) Mensch kein SMS erhält, ist offenbar gesellschaftlich scheintot.

Vielleicht ist es einfach so, dass Menschen - weil das Bedürfnis sich auszudrücken zur conditio humana gehört - jetzt, wo sie die adäquaten Möglichkeiten dazu haben, es tun? Zwar auf Kosten der Konzentration, der Daumen, der Schulleistungen, aber vielleicht mit einem Zugewinn an Selbstbewusstsein und Selbstbestätigung? Oder müsste man das Phänomen als Schrei werten, als Schrei nach Aufmerksamkeit: Hallo, Leute, es gibt mich?
Wo bist du, (Adam)? Ich bin da!

14.06.2009

Was würde Google tun?

Eben voll Begeisterung das hoch interessante Buch von Jeff Jarvis gelesen (eine Zusammenfassung in Stichworten findet sich hier) - auch wenn man hierzulande kaum mit allen Gedanken einverstanden sein mag: Der Text regt enorm an nachzudenken darüber, was das Internet, was Google "mit uns macht". Unter vielem anderen wird zB. einmal mehr deutlich, wie stark sich (auch) unser traditionelles Bildungssystem verändern könnte und wird, wie enorm bedeutsam das social learning (geworden) ist, wie wichtig Plattformen sind für die elegante Organisation von Inhalten jeglicher Art (siehe Flickr, Facebook, eBay etc).

Ein paar Zeilen aus dem Schlusskapitel:
- Googles Moral einer allgemein gültigen Bevollmächtigung ist ein Ideal von Demokratie, das wir häufig vergessen." (S. 395)
- "Es gibt einen Überfluss an Talent und einen unendlichen Willen, etwas zu erschaffen. Beides wurde in einem Bildunssystem unterdrückt, das auf Vereinheitlichung besteht... Google und das Internet drehten diese Entwicklung um. Jetzt kann Talent jeder Art auf jeder Ebene Ausdruck finden und gedeihen. ... Wenn wir über das Google-Zeitalter reden, sprechen wir von einer neuen Gesellschaft. Googles Regeln sind die Regeln dieser Gesellschaft. Sie basieren auf Verbindungen, Links, Transparenz, Offenheit, Öffentlichkeit, Zuhören, Vertrauen, Weisheit, Grosszügigkeit, Effizienz, Märkten, Nischen, Plattformen, Netzwerken, Geschwindigkeit und Überfluss." S. 398)

Speziell interessant die Überlegungen zum Kapitel "Google U: Ein offenes Bildungssystem", die von der prononcierten Frage ausgehen: "Warum vereinheitlichen wir Bildung für alle auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners?" (356) - um zu münden in die Schlussfrage:
"Google sucht Leute mit sechs Fähigkeiten: analytisches Denken, Kommunikationsfähigkeit, Bereitschaft zum Experimentieren, Teamfähigkeit, Begeisterungsfähigkeit und Führungskompetenz. ... Bereitet unser Bildungssystem Studenten darauf vor, für Unternehmen wie Google zu arbeiten oder sie zu gründen?" (364)

Eine sehr lohnende Lektüre! Der Blog des Autors ebenfalls.

Erfolgsrezept

Warum nicht Roger Federer, den weltbesten Tennisspieler, als Vorbild nehmen für erfolgreiches Lernen?
Er selber macht im heutigen Interview in der Sonntagszeitung das optimale Zusammenwirken dreier Bereiche für seinen Erfolg verantwortlich: Talent, mentale Stärke und Kondition (interessant, dass die Technik nicht vorkommt!), was dann "Konstanz" ergebe.

Wesentlich jedoch auch die folgende Aussage:
"Ich war früher öfter negativ, und das sah man auf dem Platz. 1999 merkte ich: Das ist ja nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich dachte zwar auch da vor jedem Match: Den werde ich schlagen, das schaffe ich. Aber seit ich 22, 23 bin, habe ich mir eine noch bessere Einstellung angewöhnt: Ich sehe immer zuerst die positiven Seiten. Selbst in negativen Situationen gibt es stets Sachen, an denen man sich festhalten kann. Ich sehe nie wirklich Probleme. Das hilft mir, ruhig zu bleiben. Aber ich habe keine Illusionen. Wenn ich zwanzig Mal in der ersten Runde verliere, ist sicher nicht alles super. Deshalb habe ich mich auch stets hinterfragt, als es gut lief. Man muss immer neue Wege finden, sich zu verbessern."

Könnte man durchaus als Rezept nehmen für das berufliche, vielleicht auch für das private Leben!

13.06.2009

Lernen im Vertrauen

Es gibt zweifellos eine Wechselwirkung zwischen Vertrauen und Kontrolle: Je mehr Kontrolle man in einem Lernkontext ausübt, desto weniger wird einem vertraut. Je mehr Kontrolle man abgibt, desto mehr Vertrauen gewinnt man.
Eine Binsenwahrheit, die sich bei jedem begleiteten Lernprozess unschwer erkennen lässt. "Offener Unterricht", der lernerzentriert organisiert ist und die entsprechenden didaktischen Tools einsetzt (wie Wochenplanarbeit, Projektmethode), kann nur funktionieren, wenn die Lehrenden den Lernenden vertrauen (und umgekehrt). Dies jedenfalls meine Erfahrung aus 40 Jahren "Lehre" (besser: Lernanimation und -begleitung).
Vertrauen schenken bedeutet nicht automatisch "laisser faire" im schlechten Sinn: sich foutieren um alles mit dem Allerweltsargument: Es ist ja nicht mein Problem! Sondern es bedeutet: sich nicht mehr ins Zentrum stellen, geschehen lassen, auf die Lernenden setzen (siehe: Pascals "pari"), da sein bei Bedarf, aufmerksam beobachten und warten können - zum Beispiel.
Das Allerschönste dabei: Vertrauen schenken bewirkt, dass der/die Beschenkte sich selber zu beschenken beginnt: mit Selbst-Vertrauen!

Social Network versus Heidegger auf der Hütte

In einem Interview mit Jonathan Franzen (NZZ von heute) gelesen:
"Welches sind die wichtigsten Fragen, die Sie seit 2001 beschäftigt haben...?
Da fällt mir vieles ein - nicht zuletzt das Internet als ein kommerzielles und parasitäres Gebilde, das uns ... davon abhält, vernünftige und dauerhafte Diskussionen über die Dinge zu führen, denen wir uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellen müssen."

Tatsächlich stelle ich an mir selber fest, wie viel schwieriger es geworden ist, sich zu konzentrieren, sich nicht abzulenken, bei einer Sache zu bleiben. Sehr rasch lasse ich mich weitertreiben, klicke - weil mich das eine vertiefter interessiert - auf das andere und von da zum noch anderen; das Lineare wird abgelöst vom Vernetzten. (Das sog. Lineare gibt es im Grunde ohnehin nicht wirklich, vielleicht in der mathematischen oder philosophischen Logik; das Lebendige ist jedoch per se immer schon vernetzt. Und dieses Netzt wird durch das Hyperlinkprinzip nachgebildet resp. in Erinnerung gerufen.)

Für mich gibt es einen Findling in dieser Netzlandschaft, einen erratischen Block sozusagen: Den Philosophen Martin Heidegger auf seiner Hütte in Todtnauberg, einen Meister der Konzentration. Er jedenfalls fällt mir zuerst ein zum Begriff "Konzentration".


(Bildquelle: http://1.bp.blogspot.com/_CQM8EB8En9Y/SegmZ_v_cJI/AAAAAAAAABc/LTw1N5AFRgI/s400/HeideggerHut001.jpg)

ePortfolio

Im Zusammenhang mit einem Konzept für die IGKG ZH stellt sich die Frage: Was könnte ein Roter Faden durch eine Schulung sein, die 4x2 Tage umfasst und über drei Jahre geht? Vorschlag: Ein Portfolio.
Die moderne, den Digital Natives angepasste und der heutigen Geschäftswelt adäquate Form davon wäre logischerweise das ePortfolio, mit dessen Integration in die Ausbildung sich diverse Institutionen beschäftigen. Ende dieses Monats wird zum Thema auch eine internationale Tagung stattfinden in London.
Als eine geeignete Form für das ePortfolio haben sich die Blogs erwiesen.
Dem ePortfolio-Blog meines Kollegen Martin Hofmann der PH Rorschach entnehme ich zu den Tools noch Folgendes:
Liste mit empfehlenswerter E-Portfolio Software (alphabetisch sortiert)
- Drupal ED: http://www.funnymonkey.com
- Elgg: http://curverider.co.uk
- Epsilen: http://www.epsilen.com
- Exabis: http://www.exabis.at
- Factline: http://www.factline.com
- Fronter: http://www.fronter.de
- Mahara: http://www.mahara.org
- Movable Type: http://www.movabletype.org
- PebblePad: http://www.pebblelearning.co.uk
- Sakai: http://www.sakaiproject.org
- TaskStream: http://www.taskstream.com
- WordPress: http://wordpress.com/

Ein empfehlenswertes Video zu "Entwicklung und Verwendung des ePortfolios" findet sich hier. Darin kommen nicht nur mögliche Formen des Portfolios zur Sprache (Beurteilunsportfolio, PräsentationsP, pers. LernP), sondern es werden wesentliche Fragen diskutiert wie:
- Wer stellt (die Software für) das ePortfolio zur Verfügung?
- Wem gehört das ePortfolio?
- Wer kann/darf auf das ePortfolio zugreifen? Auch der Arbeitgeber - die Ausbildner - der Staat?

Ein ausgezeichneter Portallink zur ganzen Thematik ePortfolio:
http://www.educa.ch/DYN/199719.asp

Für das Technische und das Didaktische sei folgendes Buch empfohlen:
Georges Murbach*, Mit Web 2.0 das Internet aktiv mitgestalten. Ein Arbeitsbuch für das Erstellen von Lernumgebungen mit WebQuests, Weblogs, Wikis, Homepages und webbasierten Übungen. hep-Verlag 2008
(* der Autor ist Dozent am Eidgenössischen Hochschulinsitut für Berufsbildung).
Aktualisierungen laufend unter http://www.educehb.ch/web20/. Für das Thema Weblog insbesondere diese hier.

Wie man Vorgaben formulieren könnte, zeigt zB. dieses Dokument.

Wesentlich für mich ist der Aspekt der Planung, der Präsentation und der (Selbst)Reflexion dieser Spurensammlung des lebenslangen Lernens für die Portfolio-Ersteller; für die Ausbildenden, die Lehrenden eröffnet sich eine zusätzliche Möglichkeit der Beurteilung und damit des Lerncoachings und allenfalls der Bewertung. So kann Lernen echt gefördert werden!

11.06.2009

Blog übers Bloggen

Man klicke auf den Titel - und schon erscheint der Blogeintrag von Meg Hourihan, welcher der Frage nachgeht: What are we doing when we blog? Zwar datiert er von 2002, aber das so genannte Wesentliche ist ihm dennoch zu entnehmen.
Blogs schaffen Verbindungen, Netzwerke, Gruppen, welche sich um gewisse Themen herum selbst organisiert kristallisieren (wie Stendhal sagen würde). Was früher nur am Stammtisch oder im Quartierladen möglich war, kann heute im Internet, dem globalen Dorf, stattfinden, und zwar auf einfachste Weise. Eine Art molekularer Strukturbildung innerhalb der Internetgemeinde.
Ob Blogs im BildungsKontext genutzt werden können, ist keine Frage. Die meisten Lernenden von heute führen - manchmal schon im zarten Alter von 10 - private Blogs; warum nicht ihre Lehrer? Warum nicht für unterrichtliche Zwecke? Der Einsatzmöglichkeiten sind viele: Dokumentation eines Projektprozesses, Diskussion aktueller (Unterrichts)Themen, Lerntagebuch für eine Maturarbeit zB., Aufgabensammlung mit den Kommentaren als "Heft" für Lösungsvorschläge etc.

Übrigens: Wer entdeckt und gehört werden will ausserhalb der metaphorischen vier Wände seines Lebensraums, setzt auf Blogs. Berühmtestes Beispiel aktuell: Barack Obama. Sein Blog findet sich hier. Bundesrat Leuenberger hats längst schon gemerkt: klick. (Einen Gegen-Blog zu Leuenberger gibts auch, nämlich hier!)

Erich Zulaufs Best

Standardfrage: Hättest du dieses Problem auch, wenn du *Tiger* wärest?
Redundanz bedeutet Stärkung der Synapsen.
Wenn man den inneren Kritiker verdrängt, kommt er häufig durch die Hintertür, z.B. als Kopfschmerz.
NLP zielt auf das Machbare-
Systemisches: man arbeitet um die black box Gehirn herum an dem, was da rum steht.
Analog arbeiten - nicht digital.

* Ernsthafter Spass. PinkMoll. sowohl - als auch

Manchmal ist in uns ein Vakuum, wo wir uns hüten müssen, es mit Trash zu füllen. - Dieses Vakuum gilt es ab und zu zu leeren und zu überlegen, was wir drin haben möchten.

Did you spot the gorilla?
- Have a primed mind and open eyes.
- Be wide awake and curious.
- Find new perspectives.

Kontakt ist Wertschätzung der Verschiedenheit. (Pearls)

* Du siehst, was du denkst; wenn du anders denkst, siehst du anders.

Wenn Leute hoch wach da sind, ändert sich nichts - man muss sie etwas auflockern.

Nützliche Links zu NLP

NLP-Enzyklopädie (NLPdia): http://www.nlpedia.de/wiki/Die_NLP_Enzyklop%C3%A4die

NLP-Glossar:
http://www.mindmarketing.de/nlp-lexikon.html

Glossar wesentlicher Begriffe: http://www.nlp-ausbildung.de/nlp-coaching/glossar-lexikon.htm

Metamodell der Sprache: http://www.nlpedia.de/wiki/Metamodell
Beispiele zum Metamodell: http://www.nlp.at/lexikon_neu/me/metambsp.htm
Beispiele Fragenkatalog zum Metamodell: http://www.nlp.at/lexikon_neu/me/metamfra.htm

Miltonmodell: http://www.nlp-ausbildung.de/nlp-coaching/milton_modell.htm

07.06.2009

Mädchen können gleich gut rechnen

Der heutigen SonntagsZeitung ist zu entnehmen, dass gemäss einer Studie aus den USA die Rechenleistung mit dem Geschlecht nichts zu tun hat. Geschlechtsspezifische Differenzen würden allein auf unterschiedliche Ausbildung und Förderung von Knaben und Mädchen zurück gehen.

Hoch interessante Aussage, die ein Menschenbild zum Einstürzen bringen wird: Knaben sind besser in Mathematik, Mädchen besser in den sprachlichen Fertigkeiten. Es fehlt nur der Beweis für die Sprachqualität.

Warum dieses Vorurteil?
"Die Psychologin Petra Jelenec von der Friedrich-Schiller-Universität untersuchte das stereotype Denken. Sie führt die Ursache für das Klischee auf die unbewusste Beeinflussung durch Umwelt, Lehrer und Eltern zurück." (http://www.focus.de/schule/lernen/forschung/lernforschung-maedchen-rechnen-so-gut-wie-jungs_aid_320070.html)
"
Kürzlich wurde eine Studie präsentiert, in der die Schuld dafür vor allem dem Schulunterricht gegeben wurde: Mädchen würden mehr für Anpassung und unauffälligen Fleiß gelobt, Burschen hingegen mehr gefordert." (http://science.orf.at/science/news/151651)

Affaire à suivre...