07.01.2011

Fremdsprachen lernen: Ab wann? - SVP contra Hirnforschung

Seit vielen Jahren ist die Frage bei Familien, Lehrpersonen und Politiker/innen aller Couleurs virulent: Für welche Altersstufe soll die Schule das Lernen welcher Fremdsprache(n) anbieten resp. verlangen?
Die SVP hat jüngst auch hierzu Stellung genommen und einen eigenen Lehrplan für schulische Kernfächer ausgearbeitet. Zum Fremdsprachenerwerb meinen die "Bildungsexperten" der Partei Folgendes: "Der SVP-Lehrplan verzichtet auf Fremdsprachen-Unterricht in der Primarschule, weil dieser Früh-Fremdsprachenunterricht, seit er eingeführt worden ist, kaum positive Resultate verzeichnen kann. Statt des frühen Fremdsprachen-Unterricht werden Deutsch, Mathematik und Realien aufgewertet. Letzteres zwecks früher Weckung naturwissenschaftlicher Interessen bei Jugendlichen."
Der Hirnforscher Ernst Pöppel - wie andere renommierte Forscher - ist ganz klar anderer Meinung; in seinem neuesten Buch "Der Rahmen. Ein Blick des Gehirns auf unser Ich" schreibt er: "Bei der Geburt sind wir mit einem Überangebot möglicher Verbindungen von Nervenzellen ausgestattet." Diese genetisch vorgegebene Potentialität wird dann durch den Gebrauch einzelner dieser Verbindungen realisiert und dadurch die Struktur des Gehirns festgelegt. "Was nicht genutzt wird, wird abgeschaltet. ... Anstrengungsloses Lernen (wie zB. das Lernen mehrerer Sprachen in der frühen Kindheit) ist später nicht mehr möglich, da die Lernprozesse dann in bereits festgelegten Hirnstrukturen verlaufen müssen. (...) Zweite und dritte Sprachen müssen vor der Pubertät gelernt werden, um anstrengungslos und vor allem akzentfrei gesprochen werden zu können." (S. 114f.)
Hirnforschung dixit. Und wers immer noch nicht glaubt, soll kleinen Kindern beim Lernen zuschauen!

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