30.06.2011

"Gier ist gut" - Kooperation versus Eigeninteresse

In einer interessanten neuen Studie an der ETH stellen zwei Forscher fest:
"Erfolg und Wohlbefinden von Menschen in modernen Gesellschaften hängen stark von sozialer Kooperation und sozialen Bindungen ab. Individuelles Eigeninteresse stellt aber Kooperation und soziale Beziehungen immer wieder in Frage. Die Versuchung, die Vorzüge der Gesellschaft zu nutzen, aber seinen eigenen Beitrag zu minimieren, mündet in einem sozialen Dilemma. So können Sozial- oder Wirtschaftssysteme plötzlich ins Wanken geraten oder sogar zusammenbrechen. In der Geschichte der Menschheit finden sich genügend Beispiele von Hochkulturen, die auf rätselhafte Weise vom Erdboden verschwunden sind.

Etliche Soziologen haben zu erklären versucht, weshalb sich derartige Umbrüche immer wieder ereignen, obwohl die Menschen die Möglichkeit gehabt hätten, aus der Vergangenheit zu lernen. Der ETH-Soziologieprofessor Dirk Helbing und sein Postdoktorand Carlos P. Roca haben nun ein neues Modell entworfen, um besser zu verstehen, wie sozialer Zusammenhalt entsteht und vergeht. Sie haben simuliert, wie erfolgsorientierte, mobile Individuen untereinander öffentliche Güter schaffen – die Grundlage jedes Gemeinwesens.
Mit ihrem Modell können Roca und Helbing aufzeigen, dass eine moderat ausgeprägte Gier der Leim ist, der unsere Gesellschaft zusammenhält: Ein gewisses Mass an Gier sorgt für soziale Kooperation, obwohl es Anreize gibt, sich die eigenen Beiträge zum Gemeinwesen zu ersparen und stattdessen die Fleissigen auszunutzen. Der Trick ist, dass sich kooperative Individuen zusammenschliessen und funktionierende Gemeinschaften bilden, die gemeinsam Werte schaffen. Wer nicht kooperiert, endet am Rand dieser Gemeinschaften, denn andere machen einen Bogen um sie. Interessanterweise entsteht soziale Kooperation in diesem Modell spontan aus dem Bestreben aller, das persönliche Glück zu suchen.
Nimmt die Gier überhand, bricht die Kooperation zusammen. Die Individuen erwarten zu viel Ertrag für ihren Einsatz und sind ständig auf der Suche nach grösseren Erfolgen. Der Zusammenhalt der Gesellschaft geht verloren - und damit die Grundlage kooperativer Gemeinschaften. (...)"
Schulklassen sind Gesellschaften im Kleinen; Gruppenarbeitsteams MikroMikroGesellschaften. Vielleicht liefern die Erkenntnisse der Soziologen auch mögliche Erklärungen dafür, warum und unter welchen Bedingungen Studierende bereit sind, überdurchschnittliche Efforts zu leisten für ihre Gruppe - und wann/warum sie manchmal nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und sich um gemeinsame Ziele foutieren?
[Quelle Bild: www.mildenberger-verlag.de]

Keine Kommentare:

Blog-Archiv