13.06.2011

Vom Hundertsten ins Tausendste unterwegs

Pfingstmontag. Etwas bewölkter Himmel. Eingermassen warm und trocken draussen. Ich entscheide mich, fürs erste mal Mails abzurufen und Twitternachrichten zu lesen - das geht jetzt ganz einfach, denn ich bin seit zwei Wochen iPad2-Besitzer.
Und schon erlebe ich das Phänomen, das ich bestens und seit langem kenne und auf diesem Blog schon einmal beschrieben habe: Ich lese Martin Hofmanns Blog nextgeneration learning (siehe Link rechts), gerate von da via das Medienpädagogik Network und Riklin/Ingolds "Stadt als Bühne" zur Site L4D (Learning for Democracy), erkunde auch noch Martins Eintrag "Die Macht des Schwarms" zu den Social Medias Twitter, Facebook etc, frage mich dann, ob ich der einen (Medienpädagogik) oder der anderen (L4D) Community beitreten und dort mitmachen oder sogar an der Internetdiskussion zum"Future-of-Education" teilnehmen soll - um dann, nach einem Glas Champagner mit meiner Gefährtin, abzubrechen und mich zu fragen: Ist vielleicht (auch) DAS gemeint mit dem Begriff "Lebenslanges Lernen"? WILL ich das alles, was ich hier tue, auch wirklich tun?
Ich verfolge mich selber mit meiner Neugier, indem ich jetzt nicht mehr einfach spazieren gehe dem Fluss entlang, sondern das iPhone alle paar hundert Meter checke auf News und Mails (klar brauche ich das Teil auf Mann - zum Fotografieren!), die Berggipfel mit der entsprechenden Applikation anpeile, um deren Namen auf dem Screen eingeblendet zu bekommen, beim Einkaufen alles laufend mit einem Codechecker prüfe, beim Warten irgendwelche Wetterprognosen abrufe, den iPad2 beim Essen auf den Tisch lege, um bei allfälligen Diskussionen zB. subito definitorische Klarheit schaffen zu können,kurzum:
Wann denke ich noch - medienlos! - nach? Und wie konzentriert?
(Ich gestehe es: Denkende Menschen, die nichts tun, als einfach zu denken, vielleicht mal die eine oder andere Notiz machen, haben es mir angetan. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht, weil sie noch so versunken zu sein scheinen wie kleine Kinder, die einfach ganz und gar da sind im Augenblick?)
Heidegger auf seiner Hütte in Todtnauberg - auch er schon Thema in diesem Blog - kommt mir in den Sinn: Diese Haltung des konzentrierten Bei-einer-Sache-Seins droht mir abhanden zu kommen. So einfach ist das. Klar: ich kann all die beschriebenen Gadget-Aktivitäten auch NICHT tun. Wirklich? Bin ich dann noch "dabei"? Werde ich mir selber noch gerecht?
Blöderweise merke ich auch, dass ich mich viel seltener bewege und viel häufiger vor irgend einem Bildschirm sitze (grad noch eine Frage: der "App-Boy", den das St. Galler Tagblatt abbildet: Welche Art Sinnlichkeit entwickeln Kinder, deren Zeigefinger über iPadScreens streifen? Deren Fingerkuppen konturlose Tasten drücken? Deren Atmung flach wird, weil sie rumsitzen und -liegen (wie ich...)).
Mein Blog heisst ja: unterwegs... Danke, Martin, für deine inspirierenden Beiträge!
Und jetzt gibt es Mittagessen.
PS: Zum oben erwähnten Thema Social Media eben in der NZZ (auf dem iPad2 natürlich!) einen informativen Artikel gelesen.... Unterwegs halt....

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