25.06.2011

Von Stärke und Schwäche und individueller Förderung


In einem Interview mit dem Tagesanzeiger von heute sagt der ehemalige Technische Direktor des Schweizerischen Fussballverbandes, Hansruedi Hasler, auf die Frage: "Was stellen Sie sich unter individueller Förderung vor?" Folgendes:
"Wir pflegen noch zu sehr die Kultur, dass Schwächen korrigiert und kompensiert werden. Dafür pflegen wir zu wenig die Leistungskultur, in der die Stärken forciert werden. Wer Schwächen korrigiert, schafft es ins Mittelmass, aber er gewinnt nichts."
Hasler bezieht sich auf die U-21-Mannschaft, die heute im Final der Europameisterschaft dieser Alterskategorie steht (und hoffentlich gewinnt...), auf den Sport also.
Liesse sich solches auch für den schulischen Bereich formulieren? Fordert des sogenannte "Normalunterricht" die Kinder und Jugendlichen zuwenig? Führt er - nomen est omen! - per definitionem zur Mittelmässigkeit? Kann heutiger Unterricht, der sich in Klassen von 25-28 Schüler/-innen abspielt, überhaupt noch eine "Leistungskultur" pflegen, wenn die Absicht der Kantone darin besteht, die Maturquote (drastisch?) zu erhöhen? Kommen Lehrpersonen überhaupt dazu, individuell "Stärken zu forcieren" (bei den Guten, meint Hasler), wenn sie doch bereits "den Schwachen" aufhelfen soll(t)en, damit diese "den Anschluss nicht verlieren"?
Bestünde guter Unterricht nicht einfach darin, möglichst individuell die Stärken einer und eines JEDEN so zu fördern, dass sich jede und jeder seinem/ihrem Wesen und Können gemäss gewürdigt, gefordert und dadurch auch gefördert fühlen darf?
Darf Schule überhaupt "Gewinner" hervorbringen (wollen)? ("Verlierer" kennt sie ja durchaus.) Oder ist das Ergebnis von schulischen Bildungsbemühungen nicht automatisch "Mittelmass", wenn doch der Notendurchschnitt in der Regel so angelegt wird, dass er bei 4.5 plusminus zu liegen kommt?
PS: Man höre sich Gunter Dueck an zum selben Thema!

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