21.07.2011

Der schwebende Internetnutzer


Bin begeistert vom kleinen Traktat des Philosophen Byung-Chul Han (siehe meinen Eintrag vom 17.7.11): "Duft der Zeit. Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens", Bielefeld 2009. Warum? Ein paar Ausschnitte als Erklärung:
"Der Netz-Raum ist ein ungerichteter Raum. ... Keine Richtung, keine Option hat einen absoluten Vorrang vor den anderen. ... Es gibt keine Endgültigkeit. Alles wird in Schwebe gehalten.
(...)
[Im Netz-Raum] findet kein Fortschreiten, keine Entwicklung statt. (...) Man bewegt sich von einem Link zum anderen, von einem Jetzt zum anderen. Das Jetzt besitzt keine Dauer. (...) Das Fortschreiten weicht einem Schweben. Die Wahrnehmung wird für nicht-kausale Verhältnisse sensibilisiert.
(...)
Die Verdichtung von Ereignissen, Informationen und Bildern macht es unmöglich zu verweilen. Die rasende Schnittfolge lässt kein kontemplatives Verweilen zu. (...) Wahrheit und Erkenntnis haben inzwischen einen archaischen Klang. Sie beruhen auf der Dauer. (...) Es gibt [auch für technische und digitale Produkte] kein Werk, keinen Abschluss, sondern nur eine endlose Fortführung von Versionen und Variationen. (...)
So zappt man sich durch die Welt."
Und doch: Verspüren wir klickenden, zappenden User dieser grossen weiten Medienwelt nicht gleichzeitig und immer wieder und immer neu diese Sehnsucht nach dem ultimativen Strand des Dolce Farniente, des Verweilens, der tiefen Gegenwart, des beglückenden Daseins?
Können TV und Internet glücklich machen? (Natürlich, das müssen sie vermutlich auch nicht, denn ein glücklicher User wäre wohl ein Widerspruch in sich - trotzdem. Und die Frage bleibt: Was suchen wir eigentlich? Ja: Was suchen wir?)

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