25.07.2011

Vergesslich? Vergesslich!


Wir sind es - Gehirn sei Dank - alle, denke ich mal. Wir werden es aber neuestens nicht mehr nur mit zunehmendem Alter, sondern mehr und mehr auch dank Google, wie eine neue Studie belegt ("Study Finds That Memory Works Differently in the Age of Google").
Logisch. Denn so, wie das Kopfrechnen langsam verloren ging mit dem Gebrauch der Taschenrechner, wird der Anreiz schwächer, ZahlenDatenFakten zu memorieren. Das Internetgedächtnis vergisst bekanntlich nicht(s), und das Suchfeldchen ist rasch ausgefüllt... Zudem wächst das Vertrauen zum Internetgiganten und seinen Adepten (wie Dropbox & Cie.). Hoch lebe also das Pfadfinderwissen!

Wir werden vergesslicher. Das Internet jedoch nicht, im Gegenteil.
Das alles führt zwangsläufig zu neuen Problemen und Fragestellungen.
- Wissenstests müssen anders konzipiert werden - sofern es sie überhaupt noch geben soll.
- Kann man Wissen anwenden, das man aktuell nicht hat resp. sich erst holen muss? (Wie rede ich Isländisch, ohne es zu lernen, d.h. ohne Wörter zu lernen?)
- Der Umgang mit der neuen Gnadenlosigkeit der Allzeitdaten muss geübt werden (welche Sprüche und Fotos und Tagebucheinträge stelle ich zB. als Jugendliche/r (nicht) ins Netz, damit ich auch in 20 Jahren noch eine Stelle finde?).
- Wenn alles im Netz vorhanden ist: Wieso noch zur Schule gehen? (Das Weltwissen liesse sich doch auf einem Kreditkartenchip speichern!)
- Es ist offenbar nicht mehr immer ganz klar, wem Daten im Netz gehören - Plagiatdetektiv: ein neuer Berufszweig?
- Was, wenn das Netz zusammenbricht? (Dazu hat der Grazer Informatikprofessor Hermann Maurer einen aufschlussreichen SciFi-Roman geschrieben: Das Paranetz.)
- Last but not least: Der Mensch ist offensichtlich so gemacht, dass er vergisst. Vielleicht hat das Vergessen ja eine Funktion? Möglicherweise wird ein Datenuniversum, das an Umfang permanent zunimmt, irgendwann grässlich und gefährlich, unmenschlich gar? - Der Professor für Informations- und Innovationsstrategien, Viktor Mayer-Schönberger, findet das jedenfalls und rät vehement zum Delete!, der "Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten": Dateien aller Art seien mit einem Verfallsdatum auszustatten, damit das Gedächtnis der Menschheit nicht unter der Datenflut zusammenbricht.
Pro memoria - nicht vergessen (!): 1984 von George Orwell... Denn: Wer alles von allen sammelt, weiss irgendwann alles über alle: So wie das Gericht in Kafkas Prozess... Big Brother is knowing you....
[Bild: www.ariva.de]

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