02.09.2011

Lernmaschinen

Kinder zartesten Alters können jetzt Lesen und Schreiben lernen auf dem iPhone. SnailWrite machts (laut Beschrieb der App) möglich. 
Nachdem es Schulen gibt, welche den Kindern nur noch Grossbuchstaben beibringen und keine Schulschrift mehr ("auch Grossbuchstaben kann man gut verbinden!"), und andere, welche überhaupt darauf verzichten, das Schreiben noch zu lehren und die Erstklässler/-innen statt dessen im Tastaturschreiben unterrichten ("Wer schreibt denn in Zukunft noch von Hand?"), wird noch deutlicher, dass iPhone und iPad (bzw. ähnliche Geräte) die Lernmaschinen der Zukunft sein werden.


Tatsächlich - Hand aufs Herz -: Warum soll man noch Handschrift(en) lernen? Was schreiben Sie von Hand (ausser vielleicht dem Einkaufszettel)? Von wann datiert Ihr letzter handgeschriebener Brief? Wie viel Handgeschriebenes bekommen Sie zu lesen (wenn Sie nicht Lehrperson sind, die Texte korrigieren muss)? In welchem Verhältnis steht bei Ihnen das Schreiben von Hand verglichen mit dem Schreiben auf (virtuellen) Tastaturen?
Soll(t)en Liebesbriefe in Schönschrift verfasst werden?
Wie schreiben Ihrer Vorstellung nach die Poeten? 

Kommentare:

Prof. Martin Hofmann hat gesagt…

Hallo Theo

Und dennoch denke ich, dass die Handschrift in den nächsten Jahren NICHT vollständig aus den Schulen und dem Alltag verschwinden wird. Eine französische Studie (hab sie leider nicht mehr zur Hand) hat bereits vor ein paar Jahren untersucht, wie Kinder das Lesen und Schreiben lediglich mit Hilfe von Tastatur und Bildschirm erlernen. Im Vergleich zu den anderen klassischen Probanden hat man dann festgestellt, dass für das Erlernen der Buchstaben die Handschrift nach wie vor diverse Vorteile bringt; u.a. erlernten die Kinder mit Tastatur und Bildschirm das Alphabeth massiv viel langsamer. Auch aus anderen Kulturen wie beispielsweise aus Japan wissen wir, dass die Schriftkultur mit den unzähligen japanischen Buchstaben effizienter durch Handbewegungen erlernt wird. Deshalb sind m.E. Schwungübungen an der Wandtafel oder auf Packpapier nach wie vor zentral, damit die Erstklässler sich die Buchstaben auch mit Hilfe von Bewegung verinnerlichen können. Interessant wäre auch zu erforschen, ob Erwachsene Fremdsprachen auch schneller erlernen, wenn sie die Wörter von Hand aufschreiben bzw. lediglich elektronische Zettelkästen verwenden. Und vermutlich wird es auch im Privaten noch ein paar Jahre dauern bis wir auch Telefonnotizen oder Einkaufszettele nur noch elektronisch erstellen. Die Zeit für das Schreiben von umfangreichen Texten wie Aufsätzen sollten jedoch langsam der Vergangenheit angehören.

Theo Byland hat gesagt…

Dein Kommentar freut mich; danke; Martin! In der Tat lerne ICH meine neuen Norwegisch- oder Englischwörter via physisches Vokabularheftchen.... - und: Ich mag meine Handschrift, weil es die einzige Schrift ist, die MICH ausdrückt und an der man mich erkennt.

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