28.10.2011

Medienkompetenz! - Medienkompetenz?

Gestern war der "Tag der Medienkompetenz" schweizweit mitzuverfolgen. Es wurde referiert, demonstriert, getwittert - Jugendschutz, 1:1 Computing, Chancen und Gefahren von WasAuchImmer wurden als Themen abgehandelt - "Live-Erlebnisse" (können Erlebnisse auch nicht live sein?) wurden Erwachsenen "in einem geschützten, weil durch Fachpersonen begleiteten Umfeld" ermöglicht.
Das Fazit?
Steht begreiflicherweise noch aus.

Im Zweiten Zwischenbericht der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“  des Deutschen Bundetags zum Thema "Medienkompetenz" vom 21.10.2011 steht u.a.
"Die Enquete-Kommission sieht das Ziel ihrer Arbeit darin, dazu beizutragen, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für den Erwerb von Medienkompetenz zu optimieren. Im Ergebnis soll der Einzelne befähigt und darin gestärkt werden, Medien – insbesondere die interaktiven – selbstbestimmt, kompetent und souverän zu nutzen. Dies schließt explizit auch die Fähigkeit ein, selbst Inhalte zu produzieren und zu verbreiten. Zu welchem Zweck und in welchem Umfang Menschen Medien nutzen, obliegt dabei allein der freien Entscheidung des Individuums." (S. 8)
"Sondervotum der Fraktion der SPD sowie der Sachverständigen Dr. Wolfgang Schulz und Alvar Freude:„In der Praxis mangelt es derzeit leider (noch) oft an solchen digitalen Bildungskonzepten und kompetenten Lehrerinnen und Lehrern. Der weitere Ausbau der Hardwareausstattung oder die Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler mit mobilen Computern sind daher nur dann sinnvoll, wenn alle Lehrerinnen und Lehrer damit kompetent und souverän umgehen können und Bildungskonzepte vorliegen, die Computer in den Unterricht integrieren." (S. 38) 
Das alles ist ja ok.
Was m. E. aber entschieden fehlt und dringend ergänzt werden müsste: der philosophische Blick auf das Ganze, was hier auf unseren Bildschirmen, in unseren Händen, Köpfen und Laptops abläuft. Wir bewegen uns in Richtung des "humanoiden Algorithmus", den Miriam Meckel in ihrem neuesten Buch NEXT beschreibt, sind also auf dem Weg zum "letzten Menschen".
Ein Beleg dafür: Man nehme www.cleverbot.com! Der folgende Kürzestdialog wurde eben geführt:

USER Byland: What distinguishes a human mind from machine intelligence??
CLEVERBOT: I'm cooler.

Damit "Medienkompetenz" sinnvoll entwickelt bzw. gefördert werden kann, braucht es - auch - den Blick von aussen; überlassen wir sie nicht nur den Medienexperten, sondern wirken wir auf die bessere Integration (und höhere Stundendotation) des Fachs Philosophie hin, zumindest in den Mittelschulen. Und achten wir in den Konzepten zur ICT-Ausbildung der Lehrpersonen auf die Ergänzung durch den gesellschaftswissenschaftlichen Kontext!

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