16.12.2011

Wer sagts denn!

In der taz gefunden: Einen Kommentar der Bildungsredakteurin Anna Lehmann vom 4.12.2011 zum PISA-Elend in Deutschland. Titel: Im Land der Pauker und Büffler
"Als die OECD-Forscher sich zu Beginn des Jahrtausends daran machten die Leistungen der Schüler zu messen, haben Forscher der Humboldt-Universität "Schule aus der Sicht von Schülern" untersucht. Auf die Frage "Was ist das Schlimmste an der Schule" erhielten sie regelmäßig die Antwort: "Die Lehrer".Sie beklagten, so heißt es in der Studie, autoritäres und extrem dirigistisches Lehrerverhalten, Tadel und Spott, Herabsetzung und Demütigung vor Schülern. Nun gut, Lehrerskepsis gehört zum guten Ton unter Heranwachsenden. Nachdenklich macht jedoch, dass die Hälfte der Siebtklässler und zwei von drei Neuntklässler nicht glaubten, dass "unsere Lehrerinnen und Lehrer interessiert, dass wir wirklich etwas lernen." 2004 schien sich daran kaum etwas geändert zu haben.In einer anderen Studie – Pythagoras – fragten die Forscher Jugendliche ob sie das Gefühl hätten, dass ihre Leistungen im Matheunterricht Anerkennung fänden. Im Mittel hatten die Mädchen und Jungen geantwortet: Manchmal. Nur selten, so hieß es im Durchschnitt, würden sie zu selbständigem Lernen ermuntert oder hätten Gelegenheit sich eingehender mit Aufgaben zu beschäftigen. In vielen Klassenräumen herrscht auch heute noch eine Kultur des Gleichschritts. Die Schüler konsumieren Wissen bis zur anstehenden Klassenarbeit, und dann wird verglichen auf welchem Stand die zwei Dutzend Jungen und Mädchen sind. Die erzielten Zensuren drücken jedoch nicht die Lernfortschritte der einzelnen aus, sondern messen die Leistung im Vergleich zu allen anderen. Weil die „Normalverteilung“ ihrer Klasse nicht stimmte, also ganz wenige Einsen, viele Zweien und Dreien, einige Vieren, Fünfen und Sechsen, wurde die bayerische Lehrerin Sabine Czerny 2008 an eine andere Schule versetzt. Ihre Schüler waren zu gut, und damit hatte Czerny den „Schulfrieden“ gestört.Und so kommt es zu dem Kuriosum, dass viele Schüler im Laufe ihrer Schulzeit zwar viel dazulernen, ihre Noten dennoch schlechter werden. Mit individuellem und selbständigem Lernen lässt sich die Notengebung eben nur schwer verbinden."
Der Link zur Studie findet sich hier.

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