26.02.2011

Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt


Schon bei der Titelbehauptung des neuen Buchs von Gerhard Roth, des emeritierten Professors für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen darf man füglich gespannt sein. Nach dem ersten Satz des Klappentexts noch mehr: "Weiterbildung? Bringt nichts!" - Man kennt Roths Standardwerke zur Hirnforschung: Wissenschaftlich saubere. stilistisch staubtrockene Texte (u.a. Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert / Aus Sicht des Gehirns / Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten). Das Inhaltsverzeichnis bietet an Themen und Fragestellungen in etwa das, was man erwartet. Die vier Grundthesen, welche das Buch belegen will, sind ebenfalls nicht (mehr) besonders originell. Die Lektüre sei dennoch empfohlen, denn der Band versammelt das Wesentliche, was moderne Pädagog/-innen nebst fundierten Fachkenntnissen und allgemein- und fachdidaktischem Wissen und Können draufhaben sollten. Das grossartige Buch von Manfred Spitzer, Lernen (2002!), wird es jedoch sachlich kaum und stilistisch schon gar nicht übertreffen! - Übrigens: Ein Interview mit dem Autor ist hier zu hören. Und einen Lesebericht findet man auch schon.

25.02.2011

Wie wir lernen


Die Sonderausstellung ist erfreulicherweise verlängert worden - sie bietet Knackiges und Grundsätzliches für alle diejenigen, welche über den Prozess, welcher 24h täglich lebenslang läuft, mehr erfahren möchten. Hingehen!

19.02.2011

Zum Thema "Plagiat" oder Soll sich ein Verteidigungsminister verteidigen?

Der aktuelle deutsche Verteidigungsminister ist in aller Munde; er soll in seiner Doktorarbeit unsauber zitiert und abgeschrieben haben. Sein Rücktritt wird gefordert - es gehe, so die Meinung, um Werte wie Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit; wer abschreibt, darf nicht mehr Minister sein. Vieles ist dazu in den Medien zu erfahren; etwas vom Gescheiteren jedoch im "E-Denkarium", dem Blog von Gabi Reinmann (Professorin für Lehren und Lernen mit Medien an der Universität der Bundeswehr München). Wer den Links folgt, gewinnt übrigens nicht nur interessante Erkenntnisse zum Thema, sondern erfährt auch noch Grundlegendes zum wissenschaftlichen Arbeiten, zum Beispiel hier.

12.02.2011

Wie viele Infos nehmen wir auf pro Tag?

Hier erfahren wir es präzise:
5x mehr als 1986, nämlich 174 Zeitungen voll Infos...
Trotzdem: Das Weltwissen von 2007 entspricht bloss einem Prozent der Information in der DNA eines Menschen. Das menschliche Gehirn ist und bleibt ein Wunderwerk!

06.02.2011

Warum noch (Schul)Wissen pauken?


... wenn doch der neueste Grossrechner von IBM, Watson, auf (fast?) alle Fragen schon eine Antwort hat? Dies zumindest behaupten neueste Artikel, dies kündigt auch das IBM-Portal an.
Im Prinzip bedeutet das, dass das Speichern von Schulwissen obsolet werden könnte; Zahlen, Daten, Fakten, auf die man zur Bewältigung des Alltags angewiesen ist, trägt man auf einem Speicherchip resp. einem Kleinstrechner bei sich, um sie bei Bedarf abzurufen. Die Schule der Zukunft: ein Haus mit leeren Klassenräumen? Die Arztpraxis: ein Tisch mit einem Mikrofon, in welches man seine Beschwerden spricht, mit Return quittiert und dann Diagnose samt Therapie und Rezept am Tresen abholt? - Warum sollten das seltsame Gedanken sein? Lassen wir uns nicht längst schon von TomTom, GPS und interaktiven Fahrplänen durchs Leben leiten? Wer lernt noch die Namen von Berggipfeln auswendig, wenn doch das Apps von Apple die Kamera-Aussicht benamst?
Was soll man also überhaupt noch lernen, d.h. sich anverwandeln, einlagern ins Gehirn?

Nachtrag: Der Computer hat übrigens haushoch gewonnen...

04.02.2011

MindMap versus Pauken: Verblüffende Studie

"Einfaches Rekapitulieren von Gelerntem ist effektiver, als viele Pädagogen meinen.

Stupides Vokabelpauken war gestern – heute eignen sich Schüler Wissen auf kreativere Weise an, zum Beispiel indem sie Lerninhalte in aufwändigen "Mindmaps" verbildlichen! Nach Ansicht der Psychologen Jeffrey Karpicke und Janell Blunt von der Purdue University in West Lafayette (US-Bundesstaat Indiana) könnte dies jedoch weniger effektiv sein als das einfache Abrufen von Informationen.
Die Forscher gaben 80 Studenten einen wissenschaftlichen Text zu lesen. Die eine Hälfte der Probanden sollte danach die Informationen aus dem Gedächtnis notieren; die anderen entwarfen dagegen eine Art Landkarte, in der die wichtigsten Inhalte miteinander verbunden werden sollten. Dann folgte der Test: Die Teilnehmer mussten sowohl die Hauptfakten aus dem Text wiedergeben, als auch eigenständig Schlussfolgerungen daraus ziehen und Verknüpfungen herstellen.
Überraschenderweise schnitten die Teilnehmer, welche die Informationen nach dem Lesen zunächst einfach Punkt für Punkt aufgeschrieben hatten, besser ab – sowohl bei der Wissensabfrage als auch in den weiterführenden Aufgaben. Sie behielten den Inhalt des Textes auch besser im Langzeitgedächtnis als die Kreativlerner, wie ein zweiter Test eine Woche später offenbarte.

Erklärung der Forscher: Beim Abruf von Informationen, wie ihn schon das bloße Niederschreiben erfordert, werde gespeichertes Wissen nicht bloß rekapituliert, sondern der Lernende gliedere den Stoff selbstständig in einer gewissen Ordnung, die das Lernen erleichtere. Demgegenüber konzentrierten sich Schüler, die sich zu Lernendes zeichnerisch vergegenwärtigen, hauptsächlich darauf, Fakten in ihre Mind Map einzubauen und liefen dabei Gefahr, das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren. (bw)"
Science 10.1126/science.1199327, 2011 und http://www.gehirn-und-geist.de/artikel/1061160&_z=798884

01.02.2011

10 Merkmale der Schulqualität

Rolff, Hans-Günter (2001). Schulentwicklung konkret - Steuergruppen,Bestandsaufnahme, Evaluation. Hannover: Kallmeyer:
1. Lehrerinnen und Lehrer arbeiten zusammen.
2. Der Unterricht ist Kern der Entwicklung.
3. Der Unterricht ist ergebnisorientiert.
4. Leistung hat einen hohen Stellenwert.
5. Die Menschen gehen mit Selbstbewusstsein und Offenheit miteinander um.
6. Es wird eine Ganzheitlichkeit angestrebt.
7. Die Menschen engagieren sich in der Schulgemeinschaft.
8. Unterrichtsevaluation erfolgt professionell.
9. Es besteht ein Austausch mit aussenstehenden Partnern.
10. Die Schule ist auf dem Weg – nicht am Ziel.