24.04.2011
"Die Zukunft des Lernens ist flach" ...
... meint ein Artikel in der heutigen SonntagsZeitung. Angespielt wird dabei auf das Lernen mittels iPad. "Das iPad ist interessanter, weil wir es berühren können. Im Heft können wir nur schreiben", meint eine Unterstufenschülerin aus Chicago. [Eine hoch spannende Aussage, meine ich, denn eben waren wir doch noch der Ansicht, "Heftschreiben" sei sinnlicher!?]
Die vielen Apps machen das Lernen mit dem iPad erst recht möglich, und das Gerät hilft offenbar auch die Disziplin im Klassenzimmer zu verbessern: "Kids, die sonst herumblödeln, lassen sich lieber auf die Technik ein." - ICT als Disziplinierungsmittel? Oder ganz simpel ein weiterer Beleg dafür, dass ICT das individualisierte Lernen erleichtern? In Sicht soll auf jeden Fall schon ein "iPad-orientierter Lehrplan" sein. Im Staate llinois/USA.
Übrigens: Die Zurich International School verfolgt schon seit drei Jahren einen solchen Ansatz; ihre Schüler/-innen werden mit Tablets ausgerüstet. Und die Neue KS Aarau hat vor fünf Jahren bereits einen eigenen Gymnasialtyp geschaffen für Laptop bewehrte Studierende: die InfCom - angepriesen wird sie als "die Schule der Zukunft". - Wir sind gespannt.
[Quelle Bild: Der erwähnte Artikel.]
16.04.2011
Leuchtturm in der europ. Bildungslandschaft
Prof. Jürg Oelkers von der UZH feiert mit diesem enthusiastischen Bild einen neuen Maturitäts-Studiengang, der an der KS Romanshorn angeboten wird: Die "Matura KiK (Kompetenzen im Kontext).
In der Tat verspricht das Konzept einiges an Neuem, integriert es doch das SOL (selbstständig organisiertes Lernen) und die ICT (Information and Communication Technologies) und öffnet so den Studierenden Freiräume für wirklich eigenes Forschen und Lernen.
Im Wesentlichen geht es darum:
"Der Name «Matura KiK» ist sprechend: «KiK» steht für «Kompetenzen im Kontext». Die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten werden in ihren vier Kanti-Ausbildungsjahren gezielt diejenigen Kompetenzen lernen, mit denen sie in ihrer späteren Studien- oder Berufslaufbahn erfolgreich sein können. Prüfungen sind so angelegt, dass die geforderten Kompetenzen klar nachgewiesen werden können.Das erste Semester des Pilotversuchs soll erfreulich verlaufen sein, wie die Schule meldet - Kompliment also und Hut ab vor so viel Mut! Endlich kommt Bewegung in die Grundstruktur gymnasial organisierten Lernens!
«Im Kontext» bedeutet, dass die Kompetenzen an verschiedenen Orten – eben in verschiedenen Kontexten – angewendet werden. Die Matura KiK ist insofern eine lebensnahe und angewandte Matura.
Im Ausbildungsgang Matura KiK ändert der Stundenplan in jedem Quartal. Die Schülerinnen und Schüler erleben in jedem Quartal einige Fächer sehr intensiv, andere dafür gar nicht oder nur mit geringerer Dotation, das heisst mit kleinerer Anzahl Lektionen pro Woche.
Somit besuchen diese Schülerinnen und Schüler weniger Fächer gleichzeitig als die Klassen im traditionellen Ausbildungsmodell und absolvieren in einem Quartal entsprechend weniger verschiedene Arbeiten und Prüfungen.
In denjenigen Fächern, die eine hohe Dotation haben, erleben die Schülerinnen und Schüler Projekte. Die Fragestellungen werden im Verlauf der Zeit von Projekt zu Projekt immer realer. Reale Fragestellungen halten sich nicht an Fachgrenzen, sondern für die Bearbeitung muss das Wissen aus mehreren Fächern kombiniert werden.
Für die Matura KiK-Klassen wurden Schulzimmer neu eingerichtet. Alle Schülerinnen und Schüler haben einen eigenen Schreibtisch, ein abschliessbares «Rollwägelchen» für ihr Schulmaterial sowie einen ebenfalls abschliessbaren Stauraum, in welchem sie auch ihr privates Netbook resp. Notebook aufladen können.
Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in der Schule und nutzen die Zeit vor, zwischen oder nach den eigentlichen Lektionen für ihre Arbeiten und «Hausaufgaben». Die verpflichtende Präsenzzeit an der Schule beginnt immer um 08:45 Uhr und endet etwa um 17:30 Uhr. Die Schülerinnen und Schüler können früher kommen oder länger bleiben, wenn Arbeiten noch nicht beendet wurden. Das Schulzimmer ist für sie frei zugänglich."
(Bild: Leuchtturm von Pharos, das 7. Weltwunder: http://www.lupi.ch/schools/weltwunder.html)
14.04.2011
Was sollen Lehrpersonen tun?
"Die erste Handlung eines Lehrers besteht darin, die Idee einzuführen, dass die Welt, die wir zu sehen glauben, nur eine Sichtweise, eine Beschreibung der Welt ist. Dies zu akzeptieren scheint eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt zu sein. Wir sind auf selbstgefällige Weise in unsere bestimmte Weltsicht verstrickt, die uns zu Empfindungen und Handlungen zwingt, als ob wir alles über die Welt wüssten. Ein Lehrer zielt von seiner allerersten Handlung darauf ab, diese Sichtweise zu beenden. Hexenmeister nennen es die Beendigung des inneren Dialogs. Und sie sind überzeugt davon, dass es die wichtigste Technik ist, die ein Lehrling lernen kann." (CASTANEDA , 1974).
Also: Es könnte alles auch ganz anders sein. Oder: Was und wie ich unterrichte, ist eine Möglichkeit von Wahrheit, (m)eine Sicht (ausser vielleicht in der Mathematik?). Oder - wie ein geschätzter Psychoanalytiker zu sagen pflegte: "Es ist vielleicht ein wenig komplizierter!"
Also: Es könnte alles auch ganz anders sein. Oder: Was und wie ich unterrichte, ist eine Möglichkeit von Wahrheit, (m)eine Sicht (ausser vielleicht in der Mathematik?). Oder - wie ein geschätzter Psychoanalytiker zu sagen pflegte: "Es ist vielleicht ein wenig komplizierter!"
11.04.2011
Heute ist gestern ist morgen
Die Diskrepanz von heute Montag:
Ich lese einen Blogbeitrag zum Thema "How Social Media is Changing the Education Industry" und denke: Genau. So wird es auch hierzulande sein. Das wird kommen.
Eine Stunde später esse ich zu Mittag mit einer ehemaligen Lehrerkollegin des Gymnasiums; ich höre ihre Schul-Geschichten und denke: Es ist noch genau so wie vor Jahren. Hauptthema im Lehrerzimmer: "Wie formatiert man mit Word eine Maturitätsaufgabenstellung? Ich kann das nicht!"
Ich erinnere mich, wie ich Kurse absolviert habe zum Umgang mit dem Schulfernsehen. Eines Tages standen Hellraumprojektoren in allen Schulzimmern. Dann ging man ins Sprachlabor, wo alle Studierenden in Kabäuschen sassen und ich einem Raumschiffskommandanten gleich mit Kopfhörern die Schülerinnen und Schüler heimlich belauschte, um sie dann korrigieren zu können. Irgendwann der erste Beamer an der Decke des Biologiesaals. Der erste PC im Lehrerstützpunkt (den Drucker musste man selber kaufen).
Mittlerweile sind alle Schulhäuser flächendeckend medial und infrastrukturell ausgerüstet mit allem (zumindest in der CH) - nur nicht mit der Didaktik, welche YouTube, Podcasts, Facebook, iPhone, Twitter & Cie. verlangten. Sprachlabore gibts keine mehr. Schulfernsehen schon gar nicht.
Welch ein Spannungsfeld! Welch spannendes Denk- und Arbeitsfeld!
08.04.2011
Nachdenklich
Das Kulturmagazin DU widmet sein Aprilheft dem Thema "Digitales Leben" und bietet "Reportagen aus der Parallelwelt". Weil ich finde, dass die Artikel samt und sonders erstens interessant, zweitens hoch anregend und drittens enorm wichtig sind für uns alle - insbesondere aber für diejenigen, welche als Dozierende oder Lehrpersonen mit den neuen Medien und ihren Risiken und Nebenwirkungen zu tun haben -, erlaube ich mir ein paar Zitate aus dem Heft hier aufzulisten.
Nicholas Carr:
- Das Internet formt den Prozess des Denkens.
- Wenn wir online Multitasking betreiben, trainieren wir unser Gehirn darauf, jedem Mist Beachtung zu schenken. (M. Merzenich)
Tom Kummer:
- Facebook fördert das Heimischwerden im Fremden und Künstlichen, ohne den heimischen Herd zu verlassen.
- Mit Facebook haben die moderne Gesellschaft und ihre Beobachter eine weitere Form gefunden, um sich selbst zu beobachten. In sich selbst, gegen sich selbst. Totale Selbstanalyse versus Selbstsabotage.
Florian Rötzer:
- Nach einer aktuellen britischen Studie sind die Menschen durchschnittlich 45% ihrer Wachzeit an Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsmedien angekoppelt.
- Verzichten junge Menschen, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, auch nur für 24 Stunden auf alle Medien, entwickeln sie bereits psychische und körperliche Symptome, wie man sie von Leuten kennt, die mit dem Rauchen aufzuhören versuchen. (Information Deprivation Disorder)
Lernen durch Nachmachen
Ein treffliches Beispiel aus einer anderen Welt: Derjenigen des Zirkus'. (Nebenbei bemerkt: Vielleicht dürfte eine kleine Clownnummer im Unterricht auch wieder mal sein? Erfolg garantiert, zudem dürfte sie als Anker wirken.)
07.04.2011
Spiegelneuronen: Basis für gelingende Kommunikation
Spiegelneuronen machen möglich, dass wir empathisch sein können. Empathie wiederum ist die conditio sine qua non für gelingende Kommunikation. Nadia Zaboura, Kommunikationswissenschafterin, erklärt uns das alles in 2 Minuten (zwar in einem etwas seltsam anmutenden Video, aber trotzdem):
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