30.07.2011

Trends und Regeln und immer weiter


Bei der Durchsicht anderer Blogs und von Twittereinträgen erfährt man viel Erstaunliches, Verblüffendes, Absurdes, oft auch Nützliches. Zwei Beispiele von heute:

10 Major Mobile Learning Trends to Watch For
- Location-based integration. Mobile learning has taken to the streets, with technologies that allow for seamless integration with a wide range of locations.
- The domination of ebooks.
- Cloud computing in schools.
- Bring-your-own-device classrooms.
- Online collaborative learning.
- The rise of the tablet.
- Online class management.
- Social media for education.
- Snack learning. One of the criticisms of the digital generation is that they have short attention spans. However true or untrue this may be, educators are taking note and developing learning tools that offer up snack sized bits of learning for students on the go.
- Mobile learning in workplace training.
Wertvoll an der digitalen Zusammenstellung auf dieser Site: Sie ist eine Collage von verschiedenen Websites, auf die man verwiesen wird und die zu den einzelnen Trends noch tiefer loten.

The 7 Golden Rules of Using Technology in Schools
(Welche Regeln würden SIE aufstellen?)
Diese Site wirkt inhaltlich sehr behäbig und uninspiriert verglichen mit dem, was sie ankündigt. - Jetzt sind Sie bestimmt gespannt ...

26.07.2011

Bildung und Barbarei

Etwas Philosophie zwischendurch:
"Das Wort >bilden< meint einmal: ein Vor-Bild aufstellen und eine Vor-Schrift herstellen. Es bedeutet sodann: vorgegebene Anlagen ausformen. Die Bildung bringt ein Vorbild vor den Menschen, demgemäss er sein Tun und Lassen ausbildet." (aus Martin Heidegger: Vorträge und Aufsätze)

"Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus. Zu keiner Zeit haben die Tätigen, das heisst die Ruhelosen, mehr gegolten. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschheit vornehmen muss, das beschauliche Element in grossem Masse zu verstärken." (aus Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches)
Die Synthese: vielleicht das?

25.07.2011

Vergesslich? Vergesslich!


Wir sind es - Gehirn sei Dank - alle, denke ich mal. Wir werden es aber neuestens nicht mehr nur mit zunehmendem Alter, sondern mehr und mehr auch dank Google, wie eine neue Studie belegt ("Study Finds That Memory Works Differently in the Age of Google").
Logisch. Denn so, wie das Kopfrechnen langsam verloren ging mit dem Gebrauch der Taschenrechner, wird der Anreiz schwächer, ZahlenDatenFakten zu memorieren. Das Internetgedächtnis vergisst bekanntlich nicht(s), und das Suchfeldchen ist rasch ausgefüllt... Zudem wächst das Vertrauen zum Internetgiganten und seinen Adepten (wie Dropbox & Cie.). Hoch lebe also das Pfadfinderwissen!

Wir werden vergesslicher. Das Internet jedoch nicht, im Gegenteil.
Das alles führt zwangsläufig zu neuen Problemen und Fragestellungen.
- Wissenstests müssen anders konzipiert werden - sofern es sie überhaupt noch geben soll.
- Kann man Wissen anwenden, das man aktuell nicht hat resp. sich erst holen muss? (Wie rede ich Isländisch, ohne es zu lernen, d.h. ohne Wörter zu lernen?)
- Der Umgang mit der neuen Gnadenlosigkeit der Allzeitdaten muss geübt werden (welche Sprüche und Fotos und Tagebucheinträge stelle ich zB. als Jugendliche/r (nicht) ins Netz, damit ich auch in 20 Jahren noch eine Stelle finde?).
- Wenn alles im Netz vorhanden ist: Wieso noch zur Schule gehen? (Das Weltwissen liesse sich doch auf einem Kreditkartenchip speichern!)
- Es ist offenbar nicht mehr immer ganz klar, wem Daten im Netz gehören - Plagiatdetektiv: ein neuer Berufszweig?
- Was, wenn das Netz zusammenbricht? (Dazu hat der Grazer Informatikprofessor Hermann Maurer einen aufschlussreichen SciFi-Roman geschrieben: Das Paranetz.)
- Last but not least: Der Mensch ist offensichtlich so gemacht, dass er vergisst. Vielleicht hat das Vergessen ja eine Funktion? Möglicherweise wird ein Datenuniversum, das an Umfang permanent zunimmt, irgendwann grässlich und gefährlich, unmenschlich gar? - Der Professor für Informations- und Innovationsstrategien, Viktor Mayer-Schönberger, findet das jedenfalls und rät vehement zum Delete!, der "Tugend des Vergessens in digitalen Zeiten": Dateien aller Art seien mit einem Verfallsdatum auszustatten, damit das Gedächtnis der Menschheit nicht unter der Datenflut zusammenbricht.
Pro memoria - nicht vergessen (!): 1984 von George Orwell... Denn: Wer alles von allen sammelt, weiss irgendwann alles über alle: So wie das Gericht in Kafkas Prozess... Big Brother is knowing you....
[Bild: www.ariva.de]

22.07.2011

Am Ufer

Gedankenskizze: Viele heutige Lehrende (moderner gesagt: Gestalter/-innen "komplexer Lehr-Lern-Arrangements") stehen wie Bademeister am Ufer; vor ihnen das unendliche MedienMeer (aus ICT-Tools, Social Medias, Games, Podcasts usw.), darin die Digital Natives, die mehr oder weniger elegant umherschwadern - und die einzigen, die nicht oder nur behelfsmässig schwimmen können, sind die Bademeister.
Angst vor dem Wasser? Aber wie konnten sie dann Bademeister werden?

21.07.2011

Der schwebende Internetnutzer


Bin begeistert vom kleinen Traktat des Philosophen Byung-Chul Han (siehe meinen Eintrag vom 17.7.11): "Duft der Zeit. Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens", Bielefeld 2009. Warum? Ein paar Ausschnitte als Erklärung:
"Der Netz-Raum ist ein ungerichteter Raum. ... Keine Richtung, keine Option hat einen absoluten Vorrang vor den anderen. ... Es gibt keine Endgültigkeit. Alles wird in Schwebe gehalten.
(...)
[Im Netz-Raum] findet kein Fortschreiten, keine Entwicklung statt. (...) Man bewegt sich von einem Link zum anderen, von einem Jetzt zum anderen. Das Jetzt besitzt keine Dauer. (...) Das Fortschreiten weicht einem Schweben. Die Wahrnehmung wird für nicht-kausale Verhältnisse sensibilisiert.
(...)
Die Verdichtung von Ereignissen, Informationen und Bildern macht es unmöglich zu verweilen. Die rasende Schnittfolge lässt kein kontemplatives Verweilen zu. (...) Wahrheit und Erkenntnis haben inzwischen einen archaischen Klang. Sie beruhen auf der Dauer. (...) Es gibt [auch für technische und digitale Produkte] kein Werk, keinen Abschluss, sondern nur eine endlose Fortführung von Versionen und Variationen. (...)
So zappt man sich durch die Welt."
Und doch: Verspüren wir klickenden, zappenden User dieser grossen weiten Medienwelt nicht gleichzeitig und immer wieder und immer neu diese Sehnsucht nach dem ultimativen Strand des Dolce Farniente, des Verweilens, der tiefen Gegenwart, des beglückenden Daseins?
Können TV und Internet glücklich machen? (Natürlich, das müssen sie vermutlich auch nicht, denn ein glücklicher User wäre wohl ein Widerspruch in sich - trotzdem. Und die Frage bleibt: Was suchen wir eigentlich? Ja: Was suchen wir?)

18.07.2011

Die vier Fragen Kants

Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?

Gut für die Denkpause am Strand oder unterwegs...

17.07.2011

Die Müdigkeitsgesellschaft


Dieses kleine Büchlein von Byung-Chul Han, Professor für Philosophie und Medientheorie an der HfG Karlsruhe (deren prominenten Rektor man erst recht kennt: Peter Sloterdijk!), beschäftigt sich mit Folgendem:
"Derzeit vollzieht sich unbemerkt ein Paradigmenwechsel. Die Gesellschaft der Negativität weicht einer Gesellschaft, die von einem Übermaß an Positivität beherrscht ist. Ausgehend von diesem Paradigmenwechsel zeichnet Han die pathologische Landschaft der heutigen Gesellschaft, zu der neuronale Erkrankungen wie Depression, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, Borderline oder Burnout gehören. Sie sind keine Infektionen, sondern Infarkte, die nicht durch die Negativität des immunologisch Anderen, sondern durch ein Übermaß an Positivität bedingt sind." (Klappentext)
Mit Positivität ist das Übermass an Reizen, Informationen und Impulsen gemeint, denen wir Heutige der westlichen Gesellschaften ausgesetzt sind und das u.a. in den Seinsmodus des permanenten Multitasking mündet. Han zeigt in bestechender Einfachheit auf, dass Multitasking keinen zivilisatorischen Fortschritt darstellt - im Gegenteil:
"Die kulturellen Leistungen der Menschheit ... verdanken wir einer tiefen, kontemplativen Aufmerksamkeit. ... Diese tiefe Aufmerksamkeit wird zunehmend von einer ganz anderen Form der Aufmerksamkeit, der Hyperaufmerksamkeit, verdrängt."
Gepaart mit dem modernen Glaubensverlust, der radikalen Vergänglichkeit also, wächst diese sich aus zu "Hyperaktivität", die u.a. die Fähigkeit des Zögerns verlernt und die Menschen erschöpft: "Als ihre Kehrseite bringt die Leistungs- und Aktivgesellschaft eine exzessive Müdigkeit und Erschöpfung hervor."

Wenn es geschehen darf, dass aus diesen Müden inspirierte Nichts-Tuer werden, in deren "langem, langsamem Blick die Entschlossenheit einer Gelassenheit weicht", kann sich Nietzsches Aufgabe, "sehen zu lernen", erfüllen, nämlich "dem Auge die Ruhe, die Geduld, das An-sich-herankommen-lassen anzugewöhnen". So könnte sich - vielleicht - "der Infarkt der Seele", welcher von den Exzessen der Multitasking-Gesellschaft herrührt, vermeiden lassen.

Schon die blosse Lektüre dieser be-schau-lichen Zeilen tut gut.
Lust auf mehr aus der Tastatur dieses Autors? Duft der Zeit. Ein philosophischer Essay zur Kunst des Verweilens - hier der Blick ins Buch!

11.07.2011

Kinder in der Schule

Die heutige Auslese aus Zeitungsartikeln fällt ergiebig aus.
Die NZZ widmet ihre Seite "Bildung und Gesellschaft" der Frage: "Erfolgreiche Mädchen, benachteiligte Buben?" und präsentiert die Ergebnisse einer neuen Studie der Uni/PH Bern, welche den Gründen für die Geschlechterunterschiede bei Schulleistungen nachgeht. Fazit:
"Die Ergebnisse bestätigten einige bisherige Befunde. So wirken sich die familiäre Herkunft, die Lernmotivation, die Schuleinstellung der Gleichaltrigen und die Freizeitgestaltung auf die Schulleistungen aus. In diesen Punkten wiesen die befragten männlichen Jugendlichen durchwegs ungünstigere Werte auf: Sie sind stärker extrinsisch motiviert (Lernen nicht aus Interesse, sondern um später viel zu verdienen), haben öfter Peers, die der Schule gegenüber negativ eingestellt sind, und verbringen ihre Freizeit häufiger mit Gamen am Computer.
Weitgehend neu ist der Befund, dass Schülerinnen und Schüler mit traditionellen Vorstellungen über die Geschlechterrollen schulisch deutlich schlechter abschneiden als solche mit egalitären Geschlechterbildern.
(...)
Hinsichtlich der Frage einer möglichen Benachteiligung eines Geschlechts durch die Lehrpersonen sind die Studienergebnisse widersprüchlich: Einem subjektiv geäusserten Eindruck von Benachteiligung eines Teils der befragten männlichen Jugendlichen stehen die Videoaufzeichnungen gegenüber, in welchen sich keine Diskriminierung der Betreffenden beobachten liess. Die Videoanalysen weisen sogar auf eine Bevorzugung der männlichen Jugendlichen hin. Diese nehmen durchwegs aktiver am Unterricht teil als Mädchen. Sie melden sich öfter, werden von den Lehrpersonen öfter aufgerufen und erhalten öfter als Mädchen Rückmeldungen auf ihre Unterrichtsbeiträge."

Der Tagesanzeiger stellt eine Privatschule in Zürich vor, welche vor allem (türkische) Migrantenkinder aufnimmt und sie in drei Oberstufenzügen nach dem Zürcher Lehrplan unterrichtet. Ziele:
"Leistungsorientiert möchte es Schüler auf das Gymnasium vorbereiten oder auch auf Fachmittelschulen, auf die Berufsmatura oder Lehrstellen. Allen Schülern sind Mentoren zugeteilt, die ihnen mit Aufgabenhilfe, Förderlektionen, Lernstrategien oder Prüfungsvorbereitung zur Seite stehen. Wöchentlich absolvieren die Schüler 34 Lektionen plus 6 Förderlektionen und freiwillig 3 Stunden Gymivorbereitung.
Zentral ist der Einbezug der Eltern. Die neun Lehrer, davon drei türkischer Herkunft, treffen sich achtmal jährlich mit den Eltern – viermal, um Noten und Lernverhalten zu analysieren, und viermal zwecks Elternweiterbildung."
Interessante Erkenntnisse, inspirierende Befunde - zum Weiterdenken!?

04.07.2011

Schule 2.0: Fortsetzung

Die Dinge gehen rasant voran. Mein Eintrag vom 27.6.11 schreibt sich wie von alleine weiter:

a) Südkorea wird das Schulbuch ersetzen mit eBooks per 2014/15. Weiter noch:
"Ziel des Bildungsprogramms ist es, den Schülern den Onlinezugang zu Unterrichtsmaterialien zu bieten, um sie so dazu zu motivieren, auf eigene Faust und nach eigenen Vorlieben zu lernen. Außerdem sollen die digitalen Unterrichtsmaterialien die Schüler entlasten - finanziell, indem sie keine Bücher mehr kaufen müssen, und physisch, weil sie dann keine schweren Bücher mehr tragen müssen.
Die Regierung plant zudem, ab dem Jahr 2013 Online-Unterricht einzuführen, damit Schüler, die nicht in die Schule gehen können, trotzdem lernen. Ab 2012 sollen die Lehrer Schulungen bekommen, damit sie für den digitalen Unterricht vorbereitet sind.
Für das Bildungsprogramm stellt die Regierung 2,23 Billionen südkoreanische Won, umgerechnet etwa 1,4 Milliarden Euro bereit. In aktuellen internationalen Studien zur Bildung hat Südkorea immer sehr gut abgeschnitten."
b) Erste iPad-Erfahrungen aus Österreich liegen vor. Tenor: "Der Lernerfolg ist höher!"

Wer sagt's denn... Und dennoch ....