26.04.2012

Geräte streicheln

Aus dem heutigen TagesAnzeiger:
Öffentlicher Verkehr
Ruhe ist, wenn alle Kinder Geräte streicheln
Eine fünfköpfige Familie verteilt sich auf zwei Zugabteile. Wie stets bei solchen Gelegenheiten öffnen die Eltern den Rucksack, um den hibbeligen Nachwuchs (ungefähr drei- bis siebenjährig) mit einer kleinen Belohnung zu beruhigen. Zum Vorschein kommen weder Zeltli noch Schokolade. Die Vaterhand verteilt technische Geräte, genauer: zwei iPhones für die Kleinen und ein iPad für die Grosse. Sofort kehrt Ruhe ein, und wie Pinselstriche konzentrierter Maler gleiten Kinderfinger über Bildschirme. Alle sind glücklich: die Mitfahrer, die sich auf Geschrei eingestellt hatten, die Eltern, die ein Buch lesen können, die Kinder, denen das Herumschieben virtueller Jasskarten offenbar mehr als genügt. Bis ein Anruf die Idylle zerstört. Der Vater nimmt ein iPhone an sich, worauf das gerätlose Kind bei seinem Bruder mitschauen will. Es kommt zum Streit. Zum Glück endet das Telefongespräch nach wenigen Minuten. (bat)

1 Kommentar:

frawadi hat gesagt…

Sehr schön!
Meine jüngste Tochter leitet mit einer ganz besonderen Betonung der Worte "Mir ist langweilig!" den Wunsch ein, sich mein Smartphone unter den Nagel zu reißen, um sich den Spiele-Apps hinzugeben. Egal, ob es nur die Fahrt zum Bäcker ist.

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