20.07.2012

Am Seil

"- Eine Erfahrung kann ich nur machen, wenn es Fragen und Fremdheiten gibt. Wenn es dort, wo ich hingehe, nur Vertrautheit gibt, ist eigentlich keine Aufregung da.
- Sie suchen also immer die Herausforderung des Neuen?
- Ja. ... Es geht eigentlich um die Fremdheit. Nicht das Vertraute, sondern das Fremde, in das ich hineingehe, lässt in mir eine Revolution entstehen. Aus der Spannung zwischen Vertrautheit und Fremdheit passiert in mir etwas. Sonst passiert nichts."


Dieser Ausschnitt stammt aus einem Gespräch mit Reinhold Messner, dem grossen Alpinisten und Grenzgänger (wie er sich selber bezeichnet). Was Messner zu den Rahmenbedingungen  sagt, derer es bedarf, um Erfahrungen zu machen, scheint mir auch wichtig für die "Klettertouren" in der Bildungslandschaft. Man könnte generalisierend vielleicht sagen, die permanente didaktische "Überbehütung" in Form von "sauberer" Hinführung von Lernenden auf das Lektionsziel (sprich von vorgepfadeten, ausgetretenen, mit Haken und eingeschlagenen Führungsseilen versehenen Routen wenn nicht gar von organisierten Lehrausgängen im Klettergarten) trägt nicht nur wesentlich bei zur grossen Langeweile in Schullektionen, sondern verhindert vermutlich auch zündende und damit bleibende Erfahrungen. In der durchschnittlichen Unterrichtslektion verlässt wohl kaum je ein/e Schüler/in das vertraute Gelände wirklich, um "in die Fremde" zu gehen. Welche/r Lernende wagt schon wirklich etwas, wenn er/sie bei (Noten)Trost ist? Warum sollte man auch - Wagnisse bedeuten Risiko, und dieses wird meistens aufgespart für die Zeiten ausserschulischer Erkundungen....

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