27.11.2012

Vom Handwerk des Schreibens

Menschen, die (noch) von Hand schreiben, finde ich irgendwie sympathisch. An mir selber stelle ich fest, dass Handschriftliches immer mehr verschwindet. Die To-do-Liste verfasse ich von Hand, Tagebucheinträge ebenfalls, vielleicht noch diesen Einkaufszettel oder jene PostIt-Notiz, aber sonst? - Vor einigen Tagen erhielt ich einen Brief, einen richtigen, von Hand geschriebenen Brief. Er hat mich doppelt gefreut und mir einmal mehr klar gemacht, dass mich Menschen, die noch von Hand schreiben, für sich einnehmen.
Ich hege auch Sympathien für die einsam von Hand schreibenden Autor/-innen. Auf Fotos sieht man sie manchmal sitzen und kann ihre Schreibhaltung betrachten. Andere Bilder zeigen ihren Schreibtisch, auf dem ihre Brille auf einem angefangenen Blatt Papier liegt, da sie vielleicht kurz aufgestanden sind und jetzt am Fenster stehen oder sich noch gar nicht eingefunden haben zum Tagwerk des Schreibens. Das Licht fällt dann vom Fenster her auch auf ihren Kugelschreiber.

Was zieht mich an schreibenden Menschen an?
Die handschriftlich verfasste Manuskriptseite, weil sich in ihr im Schriftbild auch die Persönlichkeit des oder der Schreibenden abbildet? Weil sie in sich als gestaltetes Bild wirkt? Weil sie das Schreiben als Prozess sichtbar macht, indem zumindest einzelne Buchstaben und Wortstücke aneinander geschrieben sind? Weil im Durchgestrichenen sehr oft noch das Ursprüngliche lesbar geblieben ist? Weil sie ganz und gar eindeutig auf einen Menschen verweist, sein Warten auf das Wort, sein Zögern vor seiner Setzung, den inspirierten Fluss beglückten Findens?
Der einsam dasitzende schreibende Mensch, weil er sichtbar macht die Sammlung auf sein Schreiben hin, das verdichtete Hören auf „das Wort, das ihn fände“ (Dieter Fringeli)? Oder einfach, weil das Schreiben ganz und gar die Nebenbedeutung „Arbeit“ zu verlieren scheint und sich als gestaltendes Finden erweist?

Ja: Von Hand schreibende Menschen sind mir sympathisch. Die Unverwechselbarkeit ihrer Schrift lässt sie in ihrer Einzigartigkeit erscheinen. Unmittelbar.


Keine Kommentare:

Blog-Archiv