03.12.2012

Bildung zwischen Neigung und Pflicht - oder wohin Schule gehen müsste

Gunter Dueck hat "den Hammer ausgepackt" (wie er selber schreibt) und ein Blogposting vom Feinsten deponiert. Es ist hier nachzulesen. Ein paar Auszüge als Appetizer:
In meiner Umgebung beginnt gerade ein 5-Jähriger Bücher über Ägypten und Afrika zu buchstabieren, es interessiert ihn SEHR. Das ist dann nicht mehr so, wenn er viele Jahre später Klimadiagramme zeichnen muss - mit Buntstift oder so. Vielleicht geben wir die wissenschaftliche Struktur unserer Lehrpläne zugunsten von "Möglichkeit, leidenschaftliches Interesse zu wecken," ein bisschen auf? Warum ist der Schulstoff so gewählt, dass er nicht wirklich interessiert, nie im späteren Leben vorkommt, nicht als nützlich gesehen wird?
Jeder lernt gern, wenn eines oder mehreres vom Folgenden zutrifft:• Das Gelernte nützt und hilft weiter  • Das Gelernte fesselt die Aufmerksamkeit oder macht Freude oder Spaß • Das Gelernte eröffnet eine neue Welt des InteressesFahrschule nützt, Erste Hilfe nützt. Hexen, Zootiere und Smartphones fesseln. Oft eröffnet Gelerntes einen neuen Blick und erzeugt ein Interesse, das lebenslang anhält. Baukästen können Ingenieure „erzeugen“, Bücher den Geisteswissenschaftler, ein Altenpflegepraktikum einen Menschenberuf. Vorbilder helfen, große Erlebnisse, Siege im Sport, Musik, Reiseerfahrungen – Begegnungen, die haften bleiben und zum Teil ungeheure Energien freisetzen: Lust, Schaffensfreude, Unternehmertum, Pflichtbewusstsein oder Selbstdisziplin.Das Problem scheint zu sein, dass „da kein System dahinter steckt“, sonst könnten wir danach vorgehen. Unsere Erziehungssysteme tendieren aber immer mehr dazu, den Erziehungsprozess zu systematisieren und letztlich zu industrialisieren.
Kinder könnten zehn Mal mehr lernen, aber sie müssten viel individueller nach ihren langsam zum Vorschein kommenden Talenten, Begabungen, Kräften und Neigungen gebildet werden. Es sind Abstriche an der Wissenschaftlichkeit der Bildungsinhalte nötig – zugunsten von Einzelinhalten und Einzelproblemstellungen, die mehr Symbol- oder Beispielcharakter haben und so einfach wirklich Freude machen können, wo Wissenschaft so trocken („grau“) wäre. Es sind Abstriche in der Systematik und der Prüfungslogistik notwendig! 
Ich halte sehr viel von solchen Überlegungen – dieser Blog legt vielerorts Zeugnis ab davon. Die Diskussion ist also schon lange lanciert. Und die unsichtbare Wand der Gegenargumente bekommt effektiv da und dort Risse; einige Breschen sind auch bereits herausgeschlagen. Was aber braucht es noch, dass die @lammatini, @lisarosa, @phwampfler, @nstoecklin –s, um einige Beispiele zu nennen, nicht nur unter ihresgleichen diskutieren müssen, sondern mehr und mehr Lehrpersonen vom Lernen 2.0 zu überzeugen vermögen?
Vielleicht das neue Buch von Gunter Dueck, Das Neue und seine Feinde: Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen?




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