Vergangene Woche war ich in Heidelberg am Kongress "Wie kommt Neues in die Welt?".
Das Wetter war gut, die Stadt gefällt sehr, die Menschen sind sehr freundlich. Positiv gestimmt also ging man in die Stadthalle zu den Vorträgen.
Der Saal heisst einen in seiner altertümlichen Schönheit sehr willkommen, die Beinfreiheit zwischen den Stuhlreihen passt, die Kronleuchter verleihen dem Ganzen einen zusätzlichen Glanz. Es folgen - nach einer Einführung durch den Hauptorganisator - Vorträge von Thomas Macho, Gottlieb Guntern, Oskar Negt, den drei Referenten des ersten Tages. Von kreativer Zerstörung ist die Rede, von den Bedingungen der schöpferischen Kreativität, von der heutigen Gesellschaft. Man hört zu, am aufmerksamsten Oskar Negt, dem einzigen der drei, der authentisch wirkt und redet, vergisst aber relativ bald und geht zurück ins Hotel.
Das unbestimmte Gefühl, etwas stimme nicht ganz, konkretisiert sich am zweiten Tag, wo man von morgens bis abends nur Männer reden hört. Ein Blick auf die Liste der Referierenden bestätigt den Eindruck: Von 60 Inputgebenden sind nur 14 Frauen. Die Höhepunkte für mich: Birger Priddat, der wirklich philosophiert, und das Urgestein Franz Schuh, der Fragmente aus seinem Werk liest.
Das Neue: An diesem Symposium (wie sich die Veranstaltung nennt) laden die Organisatoren zwar ein zum Twittern, bieten jedoch weder WLAN noch Twitterwand... Die Inputs werden zu meinem Erstaunen nicht ins Netz gestellt, sondern können für je 10 € als CD/DVD erworben werden.
Am dritten Tag sind die Männer nicht mehr ganz unter sich; Francesca Rigotti entwirft eine Philosophie der Entbindung und mischt mit ihrer Verve - unterstützt von Votantinnen aus dem Saal - das Publikum derart auf, dass der Soziologe Peter Fuchs das Podium entnervt verlässt und der Moderator, könnte er das, ihm gerne folgen würde.
Die Referate von Gunther Schmidt, dem Star der hypnosystemischen Psychotherapie, und dem aktuell gefragtesten Neurobiologen Gerald Hüther überzeugen jedes in seiner Art, obwohl man im Grunde schon zu Beginn weiss, was sie sagen werden. Ihr Vortragsstil jedoch ist unverwechselbar (was man längst nicht von allen Auftretenden sagen kann - es gibt so wenig Überraschendes, Motivierendes, didaktisch-rhetorisch Überzeugendes zu erleben! Das meiste wirkt akademisch-beliebig, staubtrocken, schlecht artikuliert und monoton).
Neues: Weder mein eMail an die Organisatoren noch mein Twitterpost betreffend Anzahl der Referentinnen werden beantwortet (bis heute nicht).
Am letzten Tag schwänzt man die Morning Lectures, lässt sich die Stadt gefallen und fragt sich, warum der köstliche Espresso in Heidelberg 1,10 € kostet an der Bar und in Aarau CHF 4.80. Und fährt im EC nach Hause - mit der (neuen) Erkenntnis von Gunther Schmidt: "Die Funktion des Ziels ist nicht, es zu erreichen, sondern in Bewegung zu kommen."
24.05.2012
07.05.2012
Wieder mal: Schlüsselkompetenzen
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| Bild: Hannah Dürnberger |
Was muss ein/e heutige/r Stellenbewerber/in draufhaben?
Was erwarten Unternehmen von ihren (zukünftigen) Angestellten? Worauf hin wäre
auszubilden? Welche Haltungen der (Berufs)Welt gegenüber sind zu entwickeln?
Antworten liefert ein Artikel im
Daily Riff, der Website mit dem Motto "Be smarter. About education."
Und zwar gibt es offenbar sieben magische Skills (über die Zahl 7 wäre
nachzudenken), um die es geht:
1.
Critical Thinking and Problem-solving
2.
Collaboration Across Networks and Leading By Influence
3. Agility
and Adaptability
4.
Initiative and Entrepreneurialism
5.
Effective Oral and Written Communication
6.
Accessing and Analyzing Information
7. Curiosity and Imagination
Das kommt den drei Schlüsselqualifikations-Kategorien und den entsprechenden Einzelkompetenzen der OECD von 2005 sehr nahe:
- Interaktive Anwendung von Medien und Mitteln (Tools)
- Interagieren in heterogenen Gruppen
- Eigenständiges Handeln
Damit das Stellen von (bedeutsamen) Fragen, neugieriges und kreatives Ausprobieren, kritisches Denken, eigenständiges Handeln etc geübt und entwickelt werden können, sollten Studierende und Schüler/-innen das tun können, tun dürfen und tun wollen.Dafür braucht es Möglichkeits- und Anwendungsfelder. Das heisst: Frontalunterricht muss zu selbst gesteuertem, eigenverantwortlichem Lernen werden.
Wer es nicht glaubt, möge doch im Blog des bekannten finnischen
Bildungsexperten Pasi
Sahlberg ("School Improvement Activist") blättern,
wo er den Erfolg des finnischen Schulsystems erklärt; zB. so:
"By contrast, typical features of teaching and
learning in Finland are:
- high confidence in teachers and principals as high
professionals;
- encouraging teachers and students to try new ideas and
approaches, in other words, to put curiosity, imagination and creativity at the
heart of learning; and
- purpose of teaching and learning is to pursue happiness
of learning and cultivating development of whole child"
Und wer dann noch die neuen Medien ins (schulische)
Lernen integriert, wird dem "Glück des Lernens und Bildens" noch
einen grossen Schritt näher kommen!
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