06.01.2013

Einmal mehr: Frontalunterricht

Philippe Wampfler macht in einem Blogposting kritische (und wichtige!) Anmerkungen zur Methode Frontalunterricht (pro memoria: „Alle schlafen, einer spricht; dieses nennt man Unterricht.“). Sein zentrales Argument gegen das viele Lob, welches diese Methode nach wie vor erhält (in meinem ehemaligen Lehrerzimmer habe ich auch sehr oft gehört: „Ein guter Frontalunterricht hat noch niemandem geschadet!“ - als ob diese Unterrichtsform eine Ohrfeige wäre...), lautet:
Es kann nicht sein, dass 25 Menschen gleichzeitig dasselbe hören müssen, um erfolgreich lernen zu können.

Leider kann das durchaus noch sein, zu sehr besetzen uninspirierte Wissenstests nach wie vor das schulische Prüfungsfeld, schliesslich müssen alle mit allen vergleichbar werden und von irgendwem gesetzten Bildungsstandards genügen, so der Tenor. PISA winkt. Standardisierte Länder-Tests rufen sich in Erinnerung. Das Unterrichtsgeschehen rückt deshalb (zu oft) in die Nähe der militärischen Zugschule: Alle auf Kommando und im Gleichschritt dasselbe. Die Illusion der frontal Unterrichtenden: Wenn ich als Wissensborn gleich viel Stoff auf dieselbe Art in die Köpfe der zum Zuhören Verpflichteten giesse, dann bin ich gerecht, klar und sicher, dass alle dasselbe gelernt haben. Eine Wahrheit für alle, lautet die Devise. Wie sie wo warum ankommt, weiss aber niemand so recht. Und ob sie ankommt, erst recht nicht. Wichtig einfach, dass sie drin ist eine Minute vor der Pausenglocke.

Prophetisches von 1899!

Aus genau solchen Gründen habe ich den Frontalunterricht schon 1975 (!) in der von Ph. Wampfler beschriebenen Form “abgeschafft” und durch vielfältigste andere Lehr-Lern-Formen ersetzt. Und die Teilnahme am Unterricht sehr oft freiwillig gemacht. Interessant daran: wie die FUST-Reklame sagt: Es funktioniert(e)! Problemlos. Und hat erst noch allen Beteiligten mehr Spass gemacht. (Man stelle sich das Hochgefühl einer Schülerin oder eines Schülers vor, die fragt, ob sie statt französische Grammatikübungen zu machen in der Mediothek Astérix lesen gehen dürfe – und sie darf ausdrücklich! Es ist sogar erwünscht, dass sie Verantwortung für ihr Lernen übernimmt, denn sie weiss am besten, dass sie grammatisches Training lieber zuhause macht.)
Wenn ich solche Episoden während des kollegialen Pausengesprächs erzählt habe, kam unweigerlich der halb im Frageton, halb als Seufzer geäusserte Satz: „Wenn alle das so machen würden...!“
Wäre toll!“, sagte ich dann.

Wer als Lehrperson Vertrauen hat in die Schülerinnen und Schüler, die permanente Kontrolle sein lassen kann, didaktisch ein klein bisschen was draufhat sowie sich zutraut, Situationen “aufzufangen”, wage doch den Schritt ins Offene. Notfalls kann man sogar Lösungen und Lernwege erfinden… - am besten im Gespräch mit seinen Schülerinnen und Schülern!
PS: Der Durchschnitt der Abiturnoten „meiner“ Klassen in Französisch lag in der Regel 0.2 Punkte über dem Durchschnitt des Jahrgangs meiner Schule. So viel als Beleg, dass „es funktioniert(e)“.

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