05.01.2013

Pling


„Die ganze Zeit macht es Pling – und ich muss mich dazu verhalten!“ (Lauter Seufzer am Nebentisch)
Eine Schwierigkeit moderner Menschen: Der permanente Anruf von irgendwelchen Geräten, die sich melden. Der Wecker, die Eieruhr, das Pling der eintreffenden Mail, der Marimbaklang für Erinnerungen an Termine. Nicht zufällig wird getwittert, also gezwitschert – jemand gibt Laut und sagt: „Ich bin da!“ Und wo Laut gegeben wird, merkt man auf. Man reagiert. Zwar können viele Signaltöne der Kommunikationstools so eingestellt werden, dass man weiss, wer sich da gemeldet hat und was einen vielleicht dementsprechend erwartet. Trotzdem gehorcht man dem Appell genau so wie die Hunde Pawlows Klingelzeichen; sie haben begonnen zu geifern, man selbst seufzt und lässt die Hand zum Gerät greifen.
Der eingangs erwähnte Stossseufzer lässt vermuten, dass irgendwo im eigenen Inneren eine Sehnsucht darauf wartet, dass man sich nicht mehr immer verhalten muss. Dass Schluss ist mit all den Plings und Klongs, den Pieps und Schrills. Dass Stille einkehrt und mit ihr die Ruhe des Gemüts. Dass man einfach nur da wäre, aufgehoben im Sein. Dann würde man endlich zu sich kommen können.
Innehalten statt sich verhalten.

Wer zu sich kommt, trifft sich selber an.
Vielleicht wäre in dem Moment ein Pling ganz willkommen?

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