25.04.2013

Anna, die Schule und der liebe Gott - Teil 2


Den Abschnitt Die Bildungskatastrophe habe ich durch. Prechts Anamnese des Bildungssystems Deutschland liegt mir jetzt vor.
Ich habe treffende (und treffliche) Sätze gelesen, zum Beispiel:
"Es gibt keinen richtigen Unterricht im falschen." (149)
Ich sehe einmal mehr klar und deutlich das Dilemma der Schulen, das Precht für Deutschlands Bildungsanstalten u. a. so formuliert:
"Was Schule sein soll (ein Ort individuellen Lernens) und was Schule ist (eine Institution uniformen Lernens), passt in keinster Weise mehr zusammen." (107) - "Kinder und Jugendliche nach ihren Begabungen individuell zu fördern und das konventionelle Schulsystem schliessen sich aus." (109)
Die Belege, die Precht beibringt, sind für mich überzeugend. Zum Beispiel die Kritik, welche die Schülerin Yakamoz Karakurt in der ZEIT im August 2011 formuliert hat (Auszüge):
"Aber ich frage mich, ob einige der Erwachsenen, die Entscheidungen für uns treffen, schon einmal versucht haben, sich in uns hineinzuversetzen? Damit meine ich jeden Erwachsenen, den es überrascht, was ich hier schreibe. Sie wissen nicht, wie es uns geht, weil sie es nicht wissen wollen. Wir sollen Maschinen sein, die funktionieren, und das mindestens 10 Stunden am Tag. Aber funktionieren heißt nicht gleich lernen. Lernen bedeutet nämlich vor allem eins: Erfahrungen sammeln. (...) Ich hasse es, länger arbeiten zu müssen als manche Erwachsene. Ich hasse es, diesem Druck ausgesetzt zu sein. Ich hasse es, wie manche Erwachsene über unser Leben und unsere Schule bestimmen, obwohl sie selbst in ihrer Schulzeit nie mehr als sieben Stunden in der Schule verbracht haben. Das ist mein Problem.Und jetzt kommen Sie. Was wollen Sie tun?“
Ich finde die Gründe wieder, die auch hierzulande gegen das Sitzenbleiben und die nach wie vor übliche Art der Leistungskontrollen sprechen, zum Beispiel:
Wer immerfort getestet wird, lernt ja nicht für sich, sondern im Hinblick auf die Tests.... und wird so trainiert, Aufmerksamkeit nur auf das zu lenken, was sich auszahlt.“ (130) 
Nicht, dass Precht „wettbewerbsfreie Kuschelpädagogik“ forderte! „Die Frage ist nur, woran das Monitoring sich orientiert: am normierten Klassendurchschnitt oder an den Entwicklungsfortschritten einer individuellen Schülerpersönlichkeit?“ (132)
Und ich teile die Ansichten, die der Autor im Kapitel Lehrer als Beruf darlegt, voll und ganz.

Kurzum: Bis jetzt kann ich nichts Nachteiliges in Prechts Buch zur Misere des Bildungssystems (Deutschlands) finden – weder Oberflächliches noch Pseudophilosophisches. Aber es ging ihm ja erst mal auch nur um eine Bestandesaufnahme.

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