30.05.2013

Digital - oder Welches Bild vermittelt ein Gymnasium hinsichtlich des Leitmedienwechsels?

DIGITAL lautet der Titel der neuesten Ausgabe des Organs eines Schweizer Gymnasiums.
Ich finde - im Zusammenhang mit einem Blogposting von Beat Döbeli von der PH Schwyz, dem neuesten "Buch der Bücher": Eric Schmidt/Jared Cohen, Die Vernetzung der Welt. Ein Blick in unsere Zukunft und einem fulminanten Referat von Lisa Rosa "Lernen lernen lernen mit dem persönlichen Lernnetzwerk" - hoch interessant, welches Bild von einer modernen Schweizer Mittelschule entsteht bezüglich Bildungsrevolution, Leitmedienwechsel, Lernen von morgen nach der Lektüre der Texte zum Titelthema DIGITAL.

Was erfahre ich als Leser?
  • Das Motiv für die Redaktorin, sich dieses Themas anzunehmen, in ihrem Editorial: “Unsere Welt ist unterdessen so digitalisiert, dass wir ohne Handy oder ohne Facebook-Account nicht mehr ernst genommen werden. Höchste Zeit also, sich mit dem Thema «digital» in der «neuen» auseinanderzusetzen.”
  • Dass ein Konrektor sich – als “digital immigrant” - in einem “generationsübergreifenden Integrationsprojekt” befindet bezüglich Digitalität mit seiner Nichte und seinen Töchtern.
  • Dass die “digitale Revolution unser aller Leben erreicht. (...) Und sich ganz neue Fragen stellen”: Weiterverarbeitung von Infos, wie? Geistiges Eigentum? Wissen = ? Filter? “Mir macht das Sorgen,” meint Dr. N. R.
  • Facebook oder Twitter haben mich bis jetzt noch nie interessiert. Dank SMS, Mail und WhatsApp fühle ich mich genügend digital vernetzt”, schreibt eine Englischlehrkraft.
  • Die Meinung dreier Stadt bekannter Buchhändlerinnen zu (e)Books (interessant daran für mich vorab die Aussage: “E-Books werden auch künftig nur eine Nebenrolle spielen.”)
  • Vier Meinungen von jungen Männern (keine Frauen) zur “Human-Computer-Interaction”.
  • Was der ICT-Verantwortliche der Schule macht und über seinen Beruf denkt.
  • Eine Reihe von Aussagen von SuS und einer Lehrerin, ob man auf Facebook sei oder nicht. (Für mich darin ein wichtiger Satz der Lehrerin: “Ich bin aber nur selten online.”)
  • Dass eine Gruppe von drei Schülern einen kleinen Computer-Kurs für Seniorinnen durchgeführt hat.
Was hätte ich gerne erfahren?
  • Vom Mitglied der Schulleitung: Zum Beispiel: Wie die SL das Lernen 2.0 und bald 3.0 zu integrieren gedenkt. Inwieweit sich der Unterricht bereits gewandelt hat in Sachen Nutzung und Integration der Digitalität. Welches Konzept sie entwirft für die Revolution des Lernens im angebrochenen digitalen Zeitalter. Ob sie – wie andere Gymnasien – eine interne Diskussion führt über die Verwendung privater Smartphones, Laptops, Tablets im und für den Unterricht. Welche Chancen sie sieht für die ICT, welchen Gefahren sie vorbeugen will. Ob etwas getan wird im Fachunterricht für die Medienkompetenz der Lernenden und Lehrenden – und wenn ja: Was. Ob dieser Begriff überhaupt eine Rolle spielt. Ob die Schule in den Social Media präsent ist und warum (nicht).
  • Von Dr. N.R.: Welches denn die Sorgen sind, die er sich macht. Welche Antworten er auf seine eigenen Fragen geben würde. Warum er das Wesentlichste seiner Ausführungen in einem QR-Code versteckt. Wie er (als Lehrer? Ich kenne ihn nicht.) die Zukunft des Lernens konkret sieht. Zum Beispiel.
  • Von den Schülerinnen und Schülern (“digital natives”, notabene!): Wie sie mithilfe von Internet, Apps etc lernen.
  • Grundsätzlich: Es wird in keiner Zeile ersichtlich, ob der Leitmedienwechsel (vom Buch zum Internet) an dieser Schule angekommen ist. Vom Lehren und Lernen ist nirgends die Rede. Dass die Schulbuchverlage gnadenlos umstellen auf eSchoolBooks (mit all den Vorteilen von Updates, Gewichtslosigkeit, “immer dabei” etc) – zum Beispiel h.e.p., der aus Büchern Apps macht - davon scheint nicht mal im Interview mit den Buchhändlerinnen die Rede gewesen zu sein. 
Es ist, als ob das Hauptkriterium für das Thema gelautet hätte: Unterhaltsam, witzig muss es sein, aber eigentlich ist DIGITAL unwichtig.
Das finde ich bedenkenswert und bedenklich zugleich. 
Bedenkenswert, weil man sich effektiv - mit dem grübelnden Beat Döbeli zusammen - fragen kann: "Entweder überschätzen die Leitmedienwechsel-Anhänger und technology-enhanced-learning-nerds ihr eigenes Thema ungemein und den Rest der Welt interessiert das Thema nicht mal am Rande - oder aber die Bildungswelt negiert den Leitmedienwechsel in seiner Grundsätzlichkeit auch nach dreissig Jahren noch immer."
Bedenklich: Weil es m.E. an der Zeit wäre - vor allem und erst recht von Bildungsinstitutionen -, das "Lernen lernen" effektiv zu lernen. Warum nur, warum (singt Udo Jürgens) ist das so schwierig?

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