03.06.2013

Du musst dein Leben ändern

Es gibt reichlich Literatur zu allen möglichen anstehenden Lebensfragen, vom Diätratgeber bis hin zur Philosophie der Lebenskunst. Alle stehen sie unter dem Motto, dass der willige Mensch sein Leben zu ändern habe – und der unwillige dieses Wollen entwickeln müsse. Sloterdijk spricht in diesem Zusammenhang von Anthropotechnik, von der Übungsgesellschaft.

Etwas aus der Reihe solcher Ratgeberliteratur fallen zwei schmale Bände von Briefen, die Berühmtheiten an noch weniger Bekannte geschrieben haben:
Rainer Maria Rilkes Briefe an einen jungen Dichter (1903-1908) und Gidon Kremers Briefe an eine junge Pianistin (2010-2012). Rilkes Briefwechsel mit einem jungen Dichterkollegen – Franz Xaver Kappus – ist hervorgegangen aus der Bitte Kappus', Rilke möge seine dichterischen Versuche beurteilen. Kremer hingegen wendet sich von sich aus an sein junge Kollegin aus Sorge über deren „Weg in der Kunst“, also darüber, dass sie den Verlockungen des Ruhms verfallen und nicht mehr ihren eigenen Weg gehen, sondern dem Publikumsgeschmack und den Wünschen ihrer Agenten folgen könnte.

Die zehn Briefe – es sind zehn, wie bei Rilke – lesen sich leicht und regen an zum Nachdenken darüber, was im weiten Feld der Erziehung, der Pädagogik, der Bildung geschehen soll(te):
  • „Was ist eigentlich für jeden Menschen, also auch für jeden Künstler, der wichtigste Orientierungspunkt – oder sollte es sein?“
  • „Eigenständigkeit bedeutet verstehen und die Fähigkeit, sich selber, seine Leistungen und Einschätzungen infrage zu stellen. Das gilt für Komponisten wie für Interpreten.“
  • „Wäre Imitation positiv zu bewerten, so wären Klone unsere Zukunft.“

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