24.06.2013

Lehrer Amstutz und die Menschenbildung



Da ist einer unterwegs im Schulhaus, ein Lehrer. Ein Fossil für die einen, ein engagierter Menschenbildner für die anderen. Er unterrichtet mit Leidenschaft, aber frontal, redet viel, aber spannend, kämpft gegen neue Medien, macht aber wunderschöne Wandtafelzeichnungen; er hält am Elternabend alte Tugenden gegen die neuen, setzt sich – auch politisch – ein für die Freiheit des „pädagogischen Unternehmertums“ und wirkt zufrieden, wenn nicht gar glücklich. Seine Schülerinnen und Schüler mögen ihn, denn sie spüren: Er ist für sie da, steht für sie ein, „bringt ihnen die Welt ins Schulzimmer“. Er bietet ihnen aber nicht die Möglichkeit, Medienkompetenz zu erwerben. Auch nicht die Möglichkeit, individuell oder im Projekt zu lernen. Nix von Lernen 2.0. Dafür echter Unterricht 1.0: Klarheit. Struktur. Disziplin. Ordnung.
Lehrerfragen statt Schülerfragen. Fremdbestimmung statt Eigeninitiative. Dafür eine geschützte Lebenswerkstatt.

Unterricht als Chefsache. Lehrersein als Herzensangelegenheit.
Ein Beleg für Hatties Studie: dass die Lehrperson der wichtigste Faktor ist für erfolgreichen Unterricht?

Ein Lehrer von altem Schrot und Korn. Ein Menschenbildner. Eine Autoritätsperson. Herr Amstutz: Eines der letzten Exemplare einer aussterbenden Gattung?

Was genau verliert das System Schule, wenn solche Damen und Herren Amstutz in Rente gehen?

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