13.09.2013

Die Sache mit der Begeisterung

Stoner, ein junger Dozent für Englisch für Erstsemestrige (in John Williams wundervollem Roman Stoner), sieht seiner neuen Aufgabe „voller Begeisterung und in der festen Überzeugung entgegen, etwas Wichtiges zu leisten.“ Er freut sich darauf, „die Studenten mit einem Gefühl für das, was er selbst wahrnahm, begeistern zu können.“
Eine schöne Ausgangslage für Unterricht: ein von seinem Fach, seinem Stoff begeisterter Dozent! Denn immer wieder hört man, dass die „Begeisterung am Fach“ der Lehrpersonen unabdingbare Voraussetzung sei für den sogenannten Unterrichtserfolg.
Stoner aber stellt fest, dass das, was ihn beflügelt und begeistert, seinen Studierenden „verborgen“ bleibt: „Wenn er zu den Studenten sprach, war ihm manchmal, als stünde er neben sich, … und seinem Vortrag war nichts von der eigenen Begeisterung anzumerken.“ Was passiert da genau? Weshalb wird aus seiner Begeisterung am Fach nicht automatisch guter Unterricht?
Wer begeistert ist von etwas, empfindet eine starke Vorwärtsenergie, will „mehr davon“, will weiter voran, will vertiefen, entdecken, wissen. Man fühlt sich inspiriert und unterwegs zu etwas Neuem, das einen selber anreichert, bereichert, lebendiger macht. Man ist ganz bei sich und diesem Impuls, der einem mehr Ganzheit verspricht. Man ist in gewisser Weise verliebt.
Es ist unmöglich, die eigene Verliebtheit in ein Fach dergestalt zu kommunizieren, dass andere sich mit der selben Begeisterung ans Entdecken dieser Fachlandschaft machen. Begeisterung kann wohl ansteckend, motivierend wirken, reicht jedoch längst nicht aus, um das Lernen von anderen zu stimulieren und erfolgreich zu machen.
Begeisterte Lehrpersonen haben mich immer zu beeindrucken vermocht – was ich von ihnen hauptsächlich gelernt habe, war, dass es möglich ist, begeistert zu sein von etwas, ohne dass ich jedoch deswegen ein besserer Schüler in ihrem Fach geworden wäre. Es hat mich aber immer interessiert, wodurch ihre Begeisterung geweckt wurde und wie sie es gemacht haben, dass das Feuer weiter gebrannt hat. Das habe ich sie dann jeweils gefragt. Die Lehrperson als Modell für ein begeisterndes Leben quasi.
Was braucht es denn zusätzlich zur Begeisterung am Fach? 
Vielleicht ein klein wenig Didaktik?

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