24.11.2013

Bilder zukünftigen Lernens

Früher haben's die reinen Sinnesorgane getan; man hat etwas angeschaut, es vielleicht befühlt, daran gerochen, jemandem zugehört, der darüber geredet hat – das war Lernen.
Dann kamen die Bücher, die Mikroskope und Fernrohre, die Oszillographen und Reagenzien, die Rechenschieber und Logarithmentafeln.
Dann das Sprachlabor.
Und dann das Internet, die (Tablet)Computer und Smartphones.
Und heute stellt man sich die Zukunft des Lernens so vor:


Die Werkzeuge haben sich immer schon geändert, sind feiner, smarter, eleganter geworden. Feines Design bestimmt. Offensichtlich auch die Lernenden: feingliedrig, windschnittig, fast schon aerodynamisch sind sie, und natürlich jung und vermutlich – Headset und Brille lassen mich etwas zögern – schön.
Vor uns sitzt der oder die enhanced learner der Zukunft, ausgerüstet mit Datenbrille (?), Headset, Internetanschluss und Laptop. Die Haare scheinen zu einem Datenschlauch gedrechselt, was mich an eine Zeichnung von 1899 denken lässt:

Quelle: http://blog.myheritage.fr/
Jean-Marc Côté hat sich damals ebenfalls das zukünftige Lernen vorgestellt; eine Parodie (?) des Nürnberger Trichters. Auffallend dabei die Passivität der Schüler – mit Ausnahme des armen Kurbeldrehers, der die Saftpresse des Stoffs antreiben muss. Und über allem thront der Lehrer, der die von ihm ausgewählten Bücher in den Wissensdiffusor gibt.
Wenn man die Lernende vom Plakat vergleicht mit dem Lernenden vorne rechts, unterscheiden sie sich im Grunde nur durch die Haltung ihrer Hände. Sie, die Zukünftige, lässt einen an eine berühmte Skulptur denken:

Quelle: http://www4.ac-nancy-metz.fr/
Ein Unterschied ist jedoch wesentlich: ihre Hand stützt das Kinn nur scheinbar und soll dem Lernen auf diese Weise vielleicht den Charakter des Anstrengenden nehmen. Vielleicht ist die Hand jedoch unterwegs, will sich an die Kehle greifen und andeuten: Das alles wird mir zuviel?

PS: Gerne habe ich mich inspirieren lassen von einem Beitrag von Axel Krommer zum Plakat der Learntec.

1 Kommentar:

Marc Schakinnis hat gesagt…

Hallo Theo, ein interessanter Beitrag, vor allem hast Du eines der wichtigsten Gefahren im Lernen 2.0 thematisiert: "Lernen ist immer auch Anstrengung", wenn wir diese Anstrengung verniedlichen, respektive verneinen, werden auch noch so gut aufbereitete Lernmaterialien und Bildungsmedien keine Erfolge bringen.

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